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Berolina tanzt

Im Frühjahr soll die neue Skulptur auf dem Hausvogteiplatz stehen

Uwe Aulich

MITTE. "Ich kann es noch gar nicht fassen, ich habe ganz weiche Knie", sagt Axel Anklam, kurz nachdem er am Dienstagabend zum Sieger gekürt wurde. Seinen Entwurf hat die Jury ausgewählt. Anklam darf nun eine moderne Berolina für den Hausvogteiplatz bauen. Die TLG Immobilien GmbH will die Figur vor ihrem Gebäude am Hausvogteiplatz 12 aufstellen. Anklams Berolina. Der 31-jährige Student wird von seinen Kommilitonen beglückwünscht und umarmt. Die Freude ist ihm anzusehen. "Ich habe nie daran gedacht, dass ich gewinne. Ich bin stolz, dass ich das am Hausvogteiplatz geschafft habe, der mit seiner Geschichte so ein besonderer Ort ist", sagt der Gekürte.

Der gelernte Kunstschmied studiert seit dem vergangenen Jahr an der Universität der Künste. Insgesamt zehn Studenten der Uni und der Kunsthochschule Weißensee hatten sich an dem Wettbewerb der TLG beteiligt. Vier Wochen lang waren die Modelle am Hausvogteiplatz ausgestellt. Die Berliner konnten sie anschauen und ihre Meinung dazu sagen.

Ähnlichkeiten mit der historischen Berolina, die als üppige Dame mit einem Kettenhemd bekleidet bis 1944 auf dem Alexanderplatz stand, sucht man vergebens in Anklams Entwurf. "Tanz der Berolina" titelt er seine Figur. Die Berolina wird aus einem etwa 2,70 Meter hohen Edelstahlgeflecht bestehen. Trotz ihrer Größe soll sie filigran sein und über dem Boden schweben. Die Leichtigkeit sei für ihn das Wichtigste, sagt Anklam. Die Form erinnert an ein geschwungenes Kleid und damit auch an das alte Modeviertel. Es wurde vor allem von jüdischen Textilfabrikanten am Hausvogteiplatz begründet, nach 1933 aber von den Nazis liquidiert.

30 000 Euro stellt die TLG dem jungen Künstler jetzt für den Bau der neuen Berolina zur Verfügung. Etwa vier Monate brauche er dafür, sagt Anklam. Im Frühjahr 2004 soll die Statue eingeweiht werden. Und je nach Lichteinfall immer anders aussehen: Am Tag wird sie eher gelb schimmern, abends rotes oder grünliches Licht zurückwerfen.

TLG-Niederlassungsleiter Hans Jürgen Biet ist von den künstlerischen Ergebnissen des studentischen Wettbewerbs so beeindruckt, dass er alle zehn Modelle in den Höfen des Hauses zur Berolina installieren lassen will. Auch Hermann Simon, der Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin, findet, dass die Studenten "respektvoll und sensibel mit der jüdischen Geschichte umgegangen sind".

BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Geschwungen und modern: Kunststudent Axel Anklam darf sein Modell einer modernen Berolina realisieren und auf dem Hausvogteiplatz aufstellen.