Nach dem Überfall auf mehrere Vietnamesen in Friedrichshain sind die drei Tatverdächtigen wieder auf freiem Fuß. Der Staatsanwalt habe keine Haftgründe erkennen können, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft die drei Männer gar nicht erst einem Haftrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt. Ursprünglich hatte die Polizei angestrebt, dass gegen die vorbestraften Männer im Alter von 20, 23 und 31 Jahren Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen wird. Polizisten nahmen die Freilassung mit Unverständnis auf.
Die der rechten Szene angehörenden Männer aus Malchow, Johannisthal und Pankow sollen am Dienstagabend gegen 23.25 Uhr in der Pettenkofer Straße einen 16-jährigen Vietnamesen und mehrere seiner Landsleute mit Knüppeln und Billardstöcken verprügelt haben. Der Jugendliche erlitt eine Schädelprellung und eine Platzwunde am Mund.
Nach der Tat hatte die Polizei zunächst zwei Verdächtige festgenommen. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen am Freitag fanden Ermittler Hiebwaffen und eine Gaspistole. Am Sonnabendmorgen wurde schließlich der 31-Jährige in seiner Wohnung festgenommen.
Trotz der Freilasssung der Verdächtigen nimmt der Kriminalpolizeiliche Staatsschutz Hinweise entgegen und bittet Tatzeugen, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen - vor allem den unbekannten Zeugen, der die Polizei alarmiert hatte. Hinweise an 4664-37 518 oder -37 519.
Einen weiteren fremdenfeindlichen Vorfall registrierte die Polizei am Sonnabend in der Nähe, in einem türkischen Imbiss an der Frankfurter Allee. Nach Angaben der Polizei pöbelte ein 34-jähriger Mann ausländerfeindliche Parolen. Er habe einen Betonstein in Richtung eines 38-jährigen Gastes geworfen, sagte ein Sprecher. Mit einem Stuhl habe der Gast den Stein abgewehrt. Der Mann wurde später festgenommen. (kop.)