BERLIN, 1. Juli. Am 13. März 1962 wurde dem amerikanischen Verteidigungsminister Robert McNamara ein streng geheimes Dokument vorgelegt. Die vom amerikanischen Generalstabschef L. L. Lemnitzer unterzeichnete 15-seitige Ausarbeitung enthielt die Details einer Geheimdienstoperation mit dem Decknamen "Northwoods". Bestandteil des später von Präsident Kennedy gestoppten Plans war unter anderem der vorgetäuschte Abschuss eines amerikanischen Passagierflugzeuges durch die kubanische Luftwaffe. Aus dem Zweck der Operation machte General Lemnitzer keinen Hehl: "Subject: Justification for US Military Intervention in Cuba", heißt es zu Beginn des Textes - Rechtfertigung einer US-Militärintervention in Kuba.
War vier Jahrzehnte später, vor dem 11. September 2001, in Washington ein ähnliches Papier im Umlauf? Waren die Türme des World Trade Centers in New York, das Pentagon und der Acker bei dem Örtchen Shanksville in Pennsylvania möglicherweise nur Schauplätze einer ausgeklügelten Geheimdienstoperation, mit der die Regierung Bush ihre Neuordnung der Welt vor der Öffentlichkeit rechtfertigen will? Eine unglaubliche Vorstellung.
"Es ist eine denkbare Version", sagt Gerhard Wisnewski. "Denn wir wissen nicht, was vor und an diesem 11. September geschah. Wir wissen nur, dass es so, wie man es uns erzählt, nicht gewesen sein kann." Gerhard Wisnewski ist Journalist und hat gerade sein neuestes Buch "Operation 9/11" veröffentlicht. An diesem Montagabend sitzt er mit fünf anderen Autorenkollegen auf der Bühne des Audimax der Berliner Humboldt-Universität. Vor ihm drängen sich in den Sitzreihen und Gängen des Saales an die Tausend Männer und Frauen, vom Studenten bis zum Rentner. Mehrere hundert andere Menschen sind gar nicht erst reingekommen ins Audimax. Sie sind angelockt worden von dem Plakat mit den brennenden Türmen, in deren Rauch die Zeile "Die Anschläge am 11. September 2001 - Widersprüche und unbeantwortete Fragen" montiert ist.
Gerhard Wisnewski wird an diesem Abend der Einzige sein, der nicht nur Fragen stellt, sondern auch Antworten anbietet. Er legt sich fest. Auf eine Leinwand hinter ihm werden Karten projiziert, auf denen die Flugbewegungen der entführten Flugzeuge am 11. September 2001 eingezeichnet sind. "Warum fliegt die in Boston gestartete Maschine AA 11, nachdem sie entführt wurde, zuerst eine ganze Weile nach Norden und nicht gleich Richtung Süden, nach New York?", fragt Wisnewski. "Warum macht der Flug UA 175 erst einen großen Bogen um New York und nähert sich dann von Süden, anstatt gleich gezielt auf die Stadt zuzuhalten? Warum fliegt die Pentagon-Maschine über West-Virginia diesen seltsamen Bogen?" Dann macht Wisnewski eine Pause. Und sagt: "Eine Erklärung dafür wäre, dass die Maschinen gegen leere, ferngesteuerte Flugzeuge ausgetauscht wurden."
Sind leere Flugzeuge ins World Trade Center und ins Pentagon gesteuert worden, ferngesteuert worden? Die Zuhörer im Audimax sind verblüfft, keiner lacht, keiner protestiert. Einige klatschen.
Kurz zuvor hat Wisnewski eine Karte gezeigt, auf der die geplante Route jenes Flugzeugs eingezeichnet ist, dass die Army in der Operation "Northwoods" 1962 über Kuba opfern wollte - auch hier ist eine scheinbar unsinnige Abweichung vom direkten Kurs zu erkennen.
Die Idee des US-Generalstabs war es 1962, eine Chartermaschine mit als College-Studenten getarnten CIA-Agenten an Bord von Florida aus nach Südamerika starten zu lassen. Im Verlaufe des Fluges wäre die Maschine an einem bestimmten Punkt von ihrem Kurs abgewichen und - von der Flugüberwachung unbemerkt - gegen ein typgleiches, allerdings ferngesteuertes Flugzeug ersetzt worden. Diese "Drohne" sollte einen auf Band aufgezeichneten Notruf absenden, in dem von kubanischen Kampfflugzeugen die Rede ist, die sich der Maschine nähern. Kurz darauf, so der Plan, sollte der in der "Drohne" deponierte Sprengstoff zünden, das Flugzeug explodieren und ins Meer stürzen.
Das Szenario der Generäle war perfekt. Es sah sogar die Inszenierung falscher Beerdigungen vor und die Veröffentlichung gefälschter Opferlisten in den Medien.
Aber ist eine Operation "Northwoods" überhaupt durchführbar? Vielleicht hätte es 1962 mit den als College-Studenten getarnten CIA-Agenten noch funktioniert, mit den falschen Beerdigungen. Im Falle des 11. Septembers 2001 aber hätten hunderte von Hinterbliebenen der Opfer in den Flugzeugen monate-, ja jahrelang ein Schauspiel für die Medien aufführen müssen - wenn sie denn nach Wisnewskis Theorie gar keine Hinterbliebenen wären. Oder aber, und das wäre eine noch ungeheuerlichere Vorstellung, die Flugzeuge wurden nicht leer, sondern mit den Passagieren in die Türme ferngesteuert. Aber so weit geht selbst Gerhard Wisnewski an diesem Abend nicht.
"Wir alle haben nur Bilder gesehen, immer wieder, niemals Beweise", sagt der Fernsehjournalist Ekkehard Sieker im Audimax der Humboldt-Universität. Matthias Bröckers, der neben ihm sitzt, assistiert: "Wir werden zugeschüttet mit Lügen", ruft er. Der Saal applaudiert. Und dann zählen die Männer auf dem Podium weitere Dinge auf, die ihnen ungereimt erscheinen in der offiziellen Geschichte vom 11. September: Die lückenhaften Passagierlisten, die fehlenden Bilder aus den Überwachungskameras an den Flughäfen und so weiter, und so fort. Auch für die These von den ausgetauschten Flugzeugen zählen die 9/11-Skeptiker auf der Bühne weitere Indizien auf. So sei der Transponder, der die elektronische Kennung des Flugzeuges an die Flugüberwachung sendet, in allen Maschinen nach der Entführung ausgeschaltet worden. In drei der vier Flugzeuge wurde er nach kurzer Zeit wieder angestellt - allerdings mit einer veränderten Kennung, so dass die Fluglotsen bis zum Einschlag von "unbekannten Flugobjekten" sprachen.
Im Falle der Pentagon-Maschine sei den Lotsen zudem ein für Jumbojets ungewöhnlich wendiges Flugverhalten aufgefallen, so dass sie die Maschine als Düsenjäger bezeichneten. Tatsächlich lassen die kurz nach dem Einschlag im Pentagon gemachten Fotos zweifeln, dass hier ein Jumbo hineingerast ist - das Loch in der Fassade ist viel zu klein.
Mysteriös sei auch, dass die Flugschreiber aller vier Maschinen nicht mehr auswertbar sein sollen. In dieses Bild passe es, dass weder vom Pentagon noch von dem Acker bei Shanksville, auf dem die vierte Maschine angeblich abgestürzt ist, Fotos mit Flugzeugtrümmern existierten. Zwei Zeugen aus Shanksville, die als Erste an dem Unglücksort waren, hätten ausgesagt, nirgendwo Reste eines Flugzeugs gesehen zu haben. Der Krater auf dem Feld sei außerdem viel zu klein gewesen für einen abgestürzten Jumbo.
"Es gab keinen Krieg der USA, der nicht mit einer Lüge begonnen hat", sagt der frühere SPD-Bundesminister Andreas von Bülow an diesem Abend in Berlin. Heute wisse man, dass selbst die japanischen Überfallpläne für Pearl Harbor dem amerikanischen Generalstab vorab bekannt gewesen seien, der aber dennoch nichts dagegen unternommen habe. Man habe den Schock, den der Überfall ausgelöst habe, benutzt, um die Bevölkerung vom Eintritt in den Krieg gegen Hitlerdeutschland zu überzeugen.
Eine Viertelstunde vor dem geplanten Ende wird die Veranstaltung abgebrochen. Aus Sicherheitsgründen. Im Saal sitzt der NPD-Anwalt Horst Mahler. Schon in der Pause war er von Jugendlichen attackiert worden, die jetzt vor dem Audimax auf ihn warten. Mahler wird von Sicherheitskräften durch einen Nebeneingang hinausgeführt. Langsam leert sich der Saal. "Lauter Lügen", sagt eine Frau auf der Treppe. Es ist nicht klar, was sie meint.
"Wir wissen nicht, was vor und an diesem 11. September geschah. Wir wissen nur, dass es so, wie man es uns erzählt, nicht gewesen sein kann. " Gerhard Wisnewski.
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