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Kein Raum für Schwule in der Garnisonkirche?

Streit um spätere Nutzung

Martin Klesmann

POTSDAM. Der geplante Wiederaufbau der 1968 gesprengten Potsdamer Garnisonkirche kommt aus weltanschaulichen Gründen nicht voran. Dies wurde bei einem Treffen aller Beteiligten am Donnerstag deutlich. Während die evangelische Kirche dort ein Internationales Versöhnungszentrum einrichten will, besteht die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) auf einer rein kirchlichen Nutzung. Dabei geht es zunächst ohnehin nur um den Wiederaufbau des Kirchturms.

"Die evangelische Kirche hat sich mit ihrem Nutzungskonzept bestimmten Randgruppen sehr weit geöffnet", sagte der scheidende TPG-Geschäftsführer Burkhart Franck. Aus Sicht der TPG sei es aber nicht möglich, dass in einem wiederaufgebauten Garnisonkirchturm "Kriegsdienstverweigerer-Beratungen, Kirchenasyle, Schwulensegnungen und feministische Theologie Raum finden". Die betont konservative TPG, die von ehemaligen Bundeswehroffizieren dominiert wird, hat bereits 5,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau gesammelt. Sie will das Geld aber nicht bereit stellen, wenn die Kirche sich in dem Neubau "gesellschaftspolitisch" engagiere.

Vielmehr pocht die TPG nun darauf, dass sich die evangelische Kirche in einem eigens auszuhandelnden Vertrag auf eine beschränkte Nutzung des Neubaus festlegt. Das wiederum wies der Potsdamer Superintendent Bertram Althausen am Donnerstag entschieden zurück. "Verträge über die inhaltliche Gestaltung sind mit uns nicht zu machen", sagte er. Nicht unumstritten ist offenbar auch, dass die TPG die Gebeine des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. in der wiederaufgebauten Kirche bestatten möchte.

Die Meinungsunterschiede darüber, "was Kirche ist und sein darf", seien derzeit unvereinbar, sagte der Verhandlungsführer der Stadt Potsdam, Wieland Eschenburg. Er betonte zugleich, dass Potsdam den geplanten Wiederaufbau nicht finanziell unterstützen könne, wohl aber städtischen Grund zur Verfügung stellen würde. Dem Vernehmen nach gibt es aber auch innerhalb der TPG Spannungen. So stehe TPG-Chef Max Klaar unter dem Druck erzkonservativer Großspender. Die Garnisonkirche war am 21. März 1933 zentraler Ort des sogenannten Tages von Potsdam - vor genau 70 Jahren.