Textarchiv

Sieben süße Todsünden

Neue Eissorten von Langnese empören die Kirchen

AFP

HAMBURG, 17. März. Der Eishersteller Langnese hat seine neuesten Varianten der Eissorte Magnum nach den sieben Todsünden aus der Bibel benannt und damit für Empörung bei den Kirchen gesorgt. Michael Stahl, Pastor und Pressereferent der Evangelischen Kirche Nordelbien, kritisierte die Sommeraktion, bei der Langnese für Eissorten wie "Neid", "Rache", "Wollust" und "Habgier" wirbt, am Montag als geschmacklos. Er warnte mit folgendem kühnen Satz: "Die sieben Todsünden sind etwas, was man nicht durch den Kakao ziehen darf." Und fuhr fort: "Rache und Habgier sind Eigenschaften, die das Miteinander von Menschen schwer machen. Da darf das Eis nicht auch noch Lust drauf machen." Eine solche Sünden-Aktion in der kirchlichen Fastenzeit zu starten, sei besonders geschmacklos.

Auch Manfred Nielen vom katholischen Erzbistum Hamburg rügte die Langnese-Kampagne als eine Verharmlosung der biblischen Sünden. Der Sprecher des Erzbistums fürchtet jedoch auch, dass die Kirchen durch lauten Protest noch zusätzliche Werbung für das umstrittene Stieleis machen könnten. Aus diesem Grund wollten auch die Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland die Kampagne am Montag nicht weiter kommentieren.

Lust auf immer mehr

Die neuen Geschmacksrichtungen des Magnum-Eises seien passend zu den Merkmalen jeder Sünde entworfen worden, erklärte Langnese in Hamburg. "Wollust" stehe zum Beispiel für Vanilleeis in pinkfarbener Erdbeerschokolade, weil es Genießerherzen höher schlagen lasse. "Habgier" mit Tiramisu-Geschmack, Kaffeesauce, Schokolade und Amarettistückchen mache Lust auf immer mehr.

Der Langnese-Marketing-Chef Harald Melwisch versicherte indes, die Aktion solle keinen Bezug zur Religion haben, sondern verpacke nur die Idee der Verführung in lockerer Form: "Wir spielen nur ein bisschen keck mit der täglichen kleinen Sünde." Er beteuerte: "Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen."

Bei Vorab-Befragungen hätten Kunden keine Probleme mit den Anspielungen gehabt. In Australien beispielsweise sei die Aktion im vergangenen Sommer problemlos angenommen worden, in den Niederlanden habe sich nur eine sektenartige Gemeinde beschwert, nicht jedoch die Amtskirche. Außer in Deutschland läuft die zeitlich auf diesen Sommer befristete Kampagne noch in dreizehn anderen europäischen Ländern. (AFP)