Nach anderthalb Jahren Verhandlungsdauer ist in Kopenhagen dieser Tage ein Rechtsstreit zwischen der dänischen Scientology-Organisation und dem DDR-Dokumentarfilmer Walter Heynowski zu Ende gegangen. Die Scientologen hatten dem 75-jährigen Heynowski in ihrer in Dänemark erscheinenden Zeitschrift eine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst unterstellt. Vor Gericht konnte die Organisation jedoch keine Beweise dafür vorlegen.
Heynowski hatte seit den 60er-Jahren gemeinsam mit seinem Partner Gerhard Scheumann eine Vielzahl politischer Dokumentarfilme gedreht, die vorrangig für das DDR-Fernsehen produziert worden waren. Die stark ideologisch geprägten Reportagen aus dem Studio "H & S" wurden jährlich mit mehreren hunderttausend D-Mark vom SED-Zentralkomitee finanziert. Sie handelten unter anderem von abgeschossenen US-Piloten in Vietnam ("Piloten im Pyjama"), vom Putsch in Chile ("Der Krieg der Mumien") und von deutschen Kriegssöldnern ("Immer wenn der Steiner kam").
Scientology hatte in dem Artikel auf Informationen aus einem in Dänemark erschienenen Buch über die Umtriebe der für Auslandsspionage zuständigen Stasi-Hauptverwaltung A (HVA) Bezug genommen. Darin kommt auch Heynowski vor, der jahrelang als Dozent an der Kopenhagener Filmhochschule wirkte und mit mehreren dänischen Filmemachern befreundet ist.
Während Heynowski gegen das Buch nicht vorging, verklagte er die Scientology-Zeitschrift auf Unterlassung. Die Organisation bemühte sich daraufhin, in Berlin frühere Stasi-Offiziere zu einem Zeugenauftritt in Kopenhagen zu bewegen - allerdings vergeblich. Mehr Erfolg war dagegen Heynowski beschieden. Der ließ im Dezember den früheren HVA-Chef Markus Wolf in den Zeugenstand rufen. Wolf sagte in Kopenhagen aus, er glaube nicht, dass Heynowski bei der HVA gewesen sei - an Details könne er sich aber nicht mehr erinnern. Dem Gericht reichte das, um der Klage Heynowskis auf Unterlassung stattzugeben.