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Berlin braucht die Anschutz-Arena! - Wirklich?

Hallenbetreiber sind skeptisch, dass es genug Veranstaltungen für alle Anbieter gibt

Jan Thomsen

Der Regierende Bürgermeister will sie unbedingt, der Senat auch und der Investor ohnehin: Doch der Plan einer großen Mehrzweckhalle für 16 000 Zuschauer in der Nähe des Ostbahnhofs, rein privat finanziert vom US-Magnaten Philip Anschutz, stößt bei den Betreibern bestehender Hallen in Berlin eher auf Skepsis. Sally Rothholz, Geschäftsführer der Velomax GmbH, die das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle betreibt, sagt, es sei sehr fraglich, ob sich eine weitere große Halle in Berlin überhaupt rechnen kann. Die Zahl lukrativer Veranstaltungen wie etwa Rock-Konzerte sei nicht beliebig steigerbar. "Ich sehe nicht, dass an Berlin wegen fehlender Auftrittsorte zurzeit viele Großveranstaltungen vorbeigehen", sagt Rothholz - und verweist auf Madonna, die kürzlich in der Max-Schmeling-Halle, und Bruce Springsteen, der im Velodrom auftrat.

Dass eine neue Halle auch neue Events nach Berlin holt, ist allerdings bisher das Hauptargument etwa für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der in der vorigen Woche auf einer Dienstreise in Los Angeles persönlich mit dem US-Investor Anschutz zusammentraf und dessen Pläne voll zu unterstützen versprach. Auch Thomas Härtel, Staatssekretär von Sportsenator Klaus Böger (SPD), betonte am Mittwoch noch einmal, dass das Land Berlin "ein großes Interesse" an der geplanten Anschutz-Arena habe. "Das Schöne ist ja, dass hier jemand ohne öffentliche Mittel ein Projekt starten will", sagte Thomas Härtel. Dies könne Signalwirkung haben.

Derzeit kommt allerdings keine Halle in Berlin ohne Zuschüsse aus: nicht die Deutschlandhalle, nicht das Velodrom und die Max-Schmeling-halle; schon gar nicht das Tempodrom, das erst kürzlich eine neue Finanzspritze von 1,5 Millionen Euro bekam.

Das Land ersetzt den Betreibern auch Kosten, die mit der Nutzung der Hallen durch Sportvereine entstehen. Bei den beiden Velomax-Hallen sind das allein 3,5 Millionen Euro im Jahr. Hinzu kommen mehr als 2,5 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss. Dass es ganz ohne Subventionen geht, bezweifelt Velomax-Geschäftsführer Rothholz daher. In Berlin herrschten andere Grundbedingungen als etwa in Los Angeles, wo Anschutz Unternehmen AEG das hypermoderne Staples Center mit seinen 20 000 Plätzen, 23 Restaurants, Fan-Shops und Clubs betreibt. "Hier gibt es weder die Kaufkraft, noch ein so großes Einzugsgebiet, noch so niedrige Personalkosten", sagt Rothholz. Auch Franziska Heiduk von der Messe Berlin, zuständig für die Deutschlandhalle, sagt, eine neue Großarena wäre für die Stadt zwar ein Zugewinn. "Aber der Kuchen an Veranstaltungen wird nicht größer."

Wenn diese These stimmt, könnte gerade ein Erfolg der Anschutz-Halle negative Folgen für den Landesetat haben. Denn die neue Arena würde zwangsläufig Veranstaltungen aus den landeseigenen Hallen abziehen - und sie dadurch erst recht zu dauerhaften Subventionsempfängern machen. Die vermeintlich kostenlose, weil aus privaten Mitteln finanzierte Attraktion würde so indirekt teuer bezahlt. Ein solches Szenario sei allerdings "hochspekulativ", sagt Thomas John, Sprecher der Senatssportverwaltung.

Dennoch kommt aus derselben Behörde schon die Prognose, dass die Max-Schmeling-Halle geschlossen werden müsste, wenn etwa die Basketballer von Alba in die Anschutz-Arena umziehen würden.

Arenen // Veranstalter haben in Berlin inzwischen die Qual der Wahl. In der Stadt gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungshallen.

Die größten Arenen sind die Max-Schmeling-Halle, das Velodrom und die Deutschlandhalle. Je nach Veranstaltungsart finden dort jeweils bis zu 12 000 Zuschauer Platz.

Kleinere Veranstaltungsorte sind das neue Tempodrom, die Arena in Treptow und das Hotel Estrel in Neukölln. Dort gibt es, ebenfalls abhängig von der Veranstaltung, teilweise sogar mehr als 5 000 Zuschauerplätze.

Alle Hallen sind multifunktional, das heißt, dort sind Konzerte, Shows und Sportwettkämpfe möglich.

"Die Konkurrenz wird jedenfalls schärfer. " Sally Rothholz, Geschäftsführer von Velomax