Wenn es einen mustergültigen Schwiegersohn gibt, dann ihn. Nicht mit dem siegessicheren Grinsen eines amerikanischen Cowboys bringt Hugh Grant die Frauen in Verzückung, sondern mit einem schüchternen Lächeln. Spätestens seit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" ist der 41-jährige Brite ein Star. Diese Woche läuft sein neuer Film "About a Boy" in Deutschland an. Hugh Grant über die Zeiten, als ihm weder Filmangebote noch Frauenherzen zuflogen und über sein ewiges Jungen-Image.
Herr Grant, kannten Sie den Bestseller von Nick Hornby bevor Sie ihre Rolle in "About a Boy" angenommen haben?
Ich habe das Buch sogar gelesen, bevor es veröffentlicht wurde. Ich wollte es auch unbedingt haben, war dann aber ein paar Tage zu spät dran. Robert De Niro hatte es sich schon unter den Nagel gerissen. Aber immerhin spiele ich ja noch die Hauptrolle.
Und sind gewissermaßen die Idealbesetzung, denn Sie sind mittlerweile so etwas wie ein Experte für Männer, die nicht erwachsen werden wollen ...
Mit vielen Aspekten der Rolle kann ich mich sehr gut identifizieren. Ein großer Teil meines Lebens verlief sogar sehr ähnlich. Bevor ich "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" gedreht hatte, gab es immer wieder Phasen, in denen ich arbeitslos war. Und wie der Protagonist im Film versuchte ich mit ein paar Freunden, die Kunst des Nichtstuns zu kultivieren. Wir waren sogar stolz darauf. Alle anderen machten Karriere und wir hingen nur herum. Deshalb hat mir das Buch auch so gut gefallen. Es war eine Möglichkeit, diesem Lebensstil ein Denkmal zu setzen.
Sind Sie mittlerweile erwachsen?
Schwer zu sagen. Wenn Sie einige der Gespräche hören würden, die ich mit Freunden führe, könnten Sie glatt daran zweifeln.
Waren Sie in der Schule einer der populären Jungs oder eher der Prügelknabe, wie die Figur des "Marcus" im Roman?
Ich war ein Spätzünder. Alle anderen waren groß und hatten schon ihren ersten Bartwuchs - nur ich nicht. Für kurze Zeit habe ich auch darunter gelitten, habe dann aber versucht, es durch Albernheiten auszugleichen. Zum Beispiel konnte ich gut Lehrer imitieren.
Der Protagonist in "About a Boy" gibt vor, einen Sohn zu haben, um in einer Gruppe allein erziehender Eltern Frauen anzubaggern. Haben Sie einmal etwas Ähnliches getan?
Nein, so tief bin ich dann doch nicht gesunken. Es gab allerdings diese Periode, in der ich mit meinen Freunden Aerobic-Kurse besucht habe. Wir redeten uns ein, es würde unsere Schauspielerei voranbringen, in Wirklichkeit waren wir aber scharf auf die Mädchen. Wir haben uns allerdings so ungeschickt angestellt, dass wir davon schnell wieder die Finger gelassen haben.
Vor einiger Zeit war zu lesen, dass Sie von Ihrem Beruf die Nase voll haben und aufhören wollen. Offenbar haben Sie Ihre Meinung geändert.
Ich rede viel, wenn der Tag lang ist. Es gibt immer wieder diese Phasen, in denen ich denke: Du warst jetzt lange genug Schauspieler, mach etwas Anderes! Ich hatte lange diese schöne Vision, der wahre Schöpfer eines Films zu sein. Derjenige, der das Drehbuch schreibt und die Regie führt. Zurzeit ist es sogar so, dass ich in all diese Prozesse eingebunden bin. Wenn ich einen Film mache, suche ich den Regisseur aus, ich helfe, wenn am Drehbuch gearbeitet wird. Sogar mit dem Schnitt und der Vermarktung habe ich irgendwie zu tun. Und da denke ich dann manchmal: Mach es doch gleich selbst. Andererseits: Wenn ich mich so engagiere, will ich einen wirklich brillanten Stoff haben. Das Projekt würde ja mindestens anderthalb Jahre meines Lebens in Anspruch nehmen. Deshalb warte ich immer noch auf eine wirklich umwerfende Idee.
Nach Ihrer Dauerbeziehung mit Liz Hurley leben Sie jetzt als Single. Sehnen Sie sich wieder nach einer festen Partnerin?
Mein Leben als Single gefällt mir ehrlich gesagt ganz gut. Nach 14 Jahren Partnerschaft ist das natürlich eine große Veränderung in meinem Leben, aber es macht mir Spaß. Ich weiß natürlich nicht, ob das mit 41 Jahren noch so toll ist. Es gibt Momente, da sitze ich um vier Uhr morgens in einem Nachtclub und frage mich: Bin ich wirklich cool oder nur der älteste Swinger der Stadt?
Kann man als Star denn überhaupt noch ganz normal eine Frau kennen lernen?
Natürlich. Die Mädchen mögen dich einfach lieber, wenn du reich und berühmt bist.
Bislang hatten Sie immer das Image des netten, schüchternen Chaoten. Neuerdings zeigen Sie sich in Ihren Filmen auch mal von der unsympathischen Seite.
Ich bin mir eigentlich gar nicht sicher, was für ein Image ich habe. Einige Zuschauer denken, ich sei wie die Figur, die ich zum Beispiel in "Notting Hill" gespielt habe. Aber das stimmt nicht. Ich fand es zum einen immer komisch, zum anderen auch beängstigend, dass die Leute dieses Bild von mir haben. Ich hoffe, ich kann diesen Eindruck jetzt relativieren. Aber das war nie ein bewusster Plan.
Die Fragen stellte Christian Aust.