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Fliegende Füchse im Palmenhain

Verwandte der Fledermaus erobern die Stadt Sydney

Michael Lenz

SYDNEY, 4. April. Sydney ist um eine Attraktion reicher. So genannte Fliegende Füchse haben sich den Königlichen Botanischen Garten der australischen Metropole zu ihrer neuen Heimat auserkoren. Zu Tausenden hängen die australischen Verwandten der Fledermaus in dichten Trauben tagsüber in den bis zu 180 Jahre alten Feigen- und Eukalyptusbäumen des Parks. Zu hören sind die Baumbesetzer schon von weitem. Ein ohrenbetäubendes Gekreische weist Besuchern den Weg zur Kolonie im Palmenhain.

Auf mehr als 9 000 schätzt Patrick Houlcroft die Zahl der fliegenden Säugetiere. "Alleine im März sind gut 3 500 Flying Foxes hinzugekommen", berichtet der Mitarbeiter der Royal Botanical Gardens. Die bis zu drei Kilo schweren Tiere zerstören durch Starts und Landungen Zweige und Laubdächer ihrer Wohnbäume. Dabei schätzt der Naturexperte Houlcroft die Flying Foxes sehr. Liebevoll erzählt der Wissenschaftler davon, wie individuell und intelligent die Flugfüchse sind.

Verzweifelt ist die Parkverwaltung jedoch über die Starrköpfigkeit der braunen Tiere mit den schwarzen Flügelhäuten. Alle Versuche, die pelzigen Tiere zu einem Umzug von den ältesten Bäumen des Parks auf historisch weniger bedeutsame zu bewegen, sind bisher gescheitert. Weder das Beschmieren der Äste mit Pythonsekret oder Chilipaste noch Wasserkanonen oder laute Musik konnte bisher den nur an Australiens Ostküste vorkommenden Pteropus poliocephalus zum "Bäumchen-wechsel-dich"-Spiel verleiten. "Wir wollen sie nicht vertreiben", erläutert Houlcroft und fügt zu: "Flying Foxes waren in geringer Zahl schon immer im Botanischen Garten heimisch. Zur Schadensminimierung wäre es aber besser, die Tiere siedelten in einem größeren Gebiet des Parks."

Jeden Abend exakt zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang starten die 9 000 nachtaktiven Tiere gemeinsam zur Futtersuche. Es ist ein immer wieder faszinierendes Schauspiel für Sydney-Bewohner und Touristen gleichermaßen, wenn die "Bats" mit Flügelspannweiten bis zu einem Meter in großen Scharen über die Stadt fliegen zu den Gärten und Obstplantagen rund um Sydney, wo sich die Vegetarier den Bauch vollgeschlagen mit Blütennektar und Früchten. Gegen fünf Uhr morgens fallen sie dann wieder in ihren Wohn-Park ein.

Als Ursache für die Flugfuchsinvasion in die Großstadt haben Experten die intensive Landrodung ausgemacht. Mit einem Anteil von Zweidritteln der jährlich 687 000 Hektar Rodungsfläche in Down Under sind die Busch- und Waldgebiete an der Ostküste besonders betroffen. Täglich gehen hier Buschflächen vom Ausmaß von fünfzig Fußballfeldern verloren.