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Gerangel um die besten Plätze: Parteien nominieren ihre Kandidaten

Die SPD will wieder mit Thierse in den Bundestagswahlkampf ziehen

Christine Richter

Um die besten Listenplätze für die Bundestagswahl im September dieses Jahres wird in den Parteien mächtig gerangelt. Vor allem bei der Berliner CDU ist noch unklar, wer die ersten Positionen, die den Einzug in den Bundestag sichern, einnehmen wird. Der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) will die Liste gerne anführen, doch es ist völlig offen, ob die Partei seinem Wunsch folgen wird. Bei der SPD ist die Sache klarer: Die Sozialdemokraten wollen erneut mit Wolfgang Thierse in den Wahlkampf ziehen.

Die SPD hat einige Bundestagskandidaten schon nominiert: Der Rechtsanwalt Klaus-Uwe Benneter setzte sich gegen die jetzige Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach durch und tritt in Steglitz-Zehlendorf an. In Charlottenburg-Wilmersdorf kandidiert erstmals Petra Merkel, in Spandau der SPD-Kreisvorsitzende Swen Schulz, in Kreuzberg-Friedrichshain der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Andreas Matthae. Als sicher gilt, dass neben Thierse (Wahlkreis Pankow) auch die Bundesfamilienministerin Christine Bergmann als Direktkandidatin in Marzahn-Hellersdorf nominiert wird. Offen ist noch, wer in Schöneberg-Tempelhof für die SPD antritt. Der bisherige Abgeordnete Eckhart Barthel muss sich einer Kampfabstimmung mit Mechthild Rawert stellen. "Barthel hat die besseren Chancen", heißt es in der SPD. Auch in Lichtenberg-Hohenschönhausen bewerben sich zwei Kandidaten um das SPD-Mandat: Andreas Köhler und die Juso-Vorsitzende Kerstin Beurich-Kusche. Auch in diesem Fall wird sich vor-aussichtlich der männliche Bewerber durchsetzen, so dass unter den zwölf Direktkandidaten nur noch zwei Frauen sind. Denn auch in anderen Wahlkreisen geht die SPD mit Männern ins Rennen: Ditmar Staffelt (Neukölln), Detlef Dzembritzki (Reinickendorf) und Jörg-Otto Spiller (Mitte).

Die CDU wird in den nächsten Wochen ihre Direktkandidaten nominieren: Der Kreisvorstand in Mitte sprach sich schon für Diepgen aus. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Günter Nooke, musste nach Pankow ausweichen. Aber auch dort hat Nooke Konkurrenz: Gegen ihn tritt der CDU-Politiker Markus Roscher an. Roscher hat nach Einschätzung von führenden CDU-Politikern jedoch keine Chancen, sich gegen Nooke durchzusetzen.

Völlig unklar ist die Situation noch im Kreisverband Neukölln. Der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete Dankward Buwitt, der in die CDU-Spendenaffäre um Ex-Fraktionschef Klaus Landowsky verwickelt war, hat sich noch nicht festgelegt, ob er nochmals kandidieren wird. Seinen Platz würde gerne die ehemalige Berliner Abgeordnete Sabine Toepfer-Kataw einnehmen. Doch es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Haushaltsexperte der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Alexander Kaczmarek, für den Bundestag nominiert wird. Kaczmarek hat sich jedoch noch nicht erklärt, ob er von der Landes- in die Bundespolitik wechseln möchte.

Entschieden ist die Situation in anderen Kreisverbänden: In Spandau will der Vorsitzende der Jungen Union, Kai Wegner, kandidieren, in Reinickendorf der Abgeordnete Roland Gewalt. In Steglitz-Zehlendorf gibt es bislang nur einen Kandidaten: den langjährigen Abgeordneten Uwe Lehmann-Brauns. In Schöneberg-Tempelhof muss sich der ehemalige Verteidigungsminister Rupert Scholz ebenfalls einer Kampfabstimmung stellen. Wie Scholz will auch der jetzige Berliner Abgeordnete Peter Rzepka in den Bundestag einziehen.

Auch die PDS und die FDP müssen sich erst noch entscheiden, mit wem sie um Wählerstimmen werben wollen. Fest steht nur, dass Petra Pau wieder für den Bundestag kandidieren wird. Die bisherigen Abgeordneten Christa Luft und Michael Müller beenden ihre Bundestags-Zeit. Auch Gregor Gysi tritt nicht mehr an, denn er wechselt an den Senatstisch ins Rote Rathaus.

Die FDP wird voraussichtlich mit dem Spitzenkandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Günter Rexrodt, auch in den Bundestagswahlkampf ziehen. Rexrodt werde mit großer Wahrscheinlichkeit in den Bundestag zurückkehren und sein Abgeordnetenhausmandat niederlegen, heißt es in der FDP. Mehr Gerangel um die ersten Listenplätze gibt es bei den Grünen, die mit Verbraucherschutzministerin Renate Künast die Wähler überzeugen wollen. Wer auf Platz zwei antreten wird, ist noch offen: Um diese Position streiten sich die ehemalige Ministerin Andrea Fischer und der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele.

"Eine Aufstellung nach Gutsherrenart darf es nicht geben, zumal sie undemokratisch wäre. " Markus Roscher (CDU), Gegenkandidat von Nooke.

BLZ/GERD ENGELSMANN Eberhard Diepgen (CDU) kandidiert erstmals für den Bundestag. Er möchte im Wahlkreis Mitte um die Wählerstimmen werben.

BLZ/PAULUS PONIZAK Petra Pau (PDS) will sich erneut um ein Direktmandat für den Bundestag bewerben. In welchem Wahlkreis ist noch unklar.

BLZ/MIKE FRÖHLING Wolfgang Thierse (SPD) wird im Wahlkreis Pankow antreten. Der Bundestagspräsident soll außerdem die SPD-Liste anführen.