KAIRO, 10. Dezember. "Weder Kuchen noch Kerzen" und möglichst wenig Aufsehen wünscht sich der ägyptische Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfuz zu seinem neunzigsten Geburtstag am heutigen Dienstag. "Ich finde, die gegenwärtige Weltlage spricht gegen Partys", sagt Mahfuz. Viel mehr als sein eigener Geburtstag scheint den Schriftsteller dieser Tage das Bild der Muslime und Araber im Westen zu beschäftigen. "Die Welt möchte gerade jetzt mehr über Araber und Muslime wissen und es ist wichtiger denn je, unsere Gefühle und Meinungen dem Rest der Welt zu vermitteln", sagt er.
Kein anderer arabischer Schriftsteller hat das Bild der arabischen Literatur im Westen so sehr geprägt wie Mahfuz. Seit er 1988 als erster Araber den Nobelpreis für Literatur bekam, wurden seine Romane in 28 Sprachen übersetzt. Sein wichtigster Beitrag für die arabische Literatur ist die Einführung des Romangenres. Zuvor hatten sich die arabischen Schreiber eher auf Gedichte und Kurzgeschichten verlegt.
Auf dem Index
Bekannt wurde der Chronist der ägyptischen Gesellschaft Mitte der 50er-Jahre durch seine "Kairoer Trilogie", die Saga einer ägyptischen Mittelstandsfamilie. Das Leben der kleinen Leute war fast immer Gegenstand seiner 30 Romane, die meist in den engen Gassen der Kairoer Altstadt spielen. Oft benutzte der Schriftsteller auch die Gasse als einen symbolischen Schauplatz für die ganze Welt. Gelegentlich zum Unmut der konservativen Islamisten im Land. Die stießen sich an seinem Roman "Awlad Haratna" - "Die Kinder unserer Gasse", weil Mahfuz für die Muslime wichtige Propheten zu literarischen Figuren machte. Das Werk kam auf den Index und auch der Schriftsteller selbst wurde angefeindet.
Vor sieben Jahren wurde Mahfuz vor seiner Kairoer Wohnung von zwei Männern niedergestochen. Seitdem ist er krank, traut sich kaum noch in die Öffentlichkeit. Selbst seine geliebten Kaffeehäuser sucht er nur noch selten auf. Als der ägyptische Hörfunk unlängst an ihn herantrat, um eine Episode aus seinem umstrittenen Roman "Die Kinder unserer Gasse" zu senden, bat Mahfuz aus Angst vor möglichen Problemen die islamischen Kulturwächter der Kairoer Azhar-Universität um ihr Einverständnis. Deren Entscheidung steht noch aus.
Mahfuz hat auch Angst davor, von seinen Landsleuten missverstanden zu werden. "Wenn ich merke, dass meine Botschaft falsch ankommt, versuche ich nicht, mich zu verteidigen oder das Werk weiter zu verbreiten", sagt er. Das klingt nach Resignation. Und man versteht vielleicht noch etwas besser, warum dem 90-jährigen Nobelpreisträger nicht zum Feiern zu Mute ist.