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Wie die DDR zu schönem Geld kam

Das Werk des Grafikers Axel Bertram in Leipzig

Morten Bewer

Axel Bertram ist ein Spieler, wie sonst ließe sich die Leichtigkeit seiner Arbeiten erklären? Wer Gebrauchsgrafik und Typografie als Beruf ernst nimmt, wird sich als dienstbarer Geist verstehen. Ein geschickter Diener, der seine Arbeit gern tut, gibt seinem Tun eine eigene Prägung; und solche Freude, Interesse, Wachheit sind es, die sich noch in den stillsten Arbeiten des in Berlin ansässigen Gebrauchsgrafikers Axel Bertram spiegeln. Gerade geht eine Werkschau aus vier Jahrzehnten in der Deutschen Bücherei in Leipzig zu Ende.

Die prominenteste Arbeit, die täglich durch jeden DDR-Bürgers Hand ging, war das 20-Pfennig-Stück. Der Entwurf zu dieser Münze entstand 1969, Bertram war 33 Jahre alt und bereits ein profilierter Grafiker. Das Geldstück unterschied sich schon deshalb von anderen, weil es nicht aus dem leichten Aluminium bestand, sondern aus Messing. Man benötigte eine Münze mit mehr Gewicht für Automaten. Die Staatsbank der DDR schlug dem Politbüro der SED vor, bei dieser Gelegenheit auch eine neue Gestaltung in Auftrag zu geben, und die Führung ließ sich darauf ein. Von Untersuchungen über Lesbarkeit geleitet, machte Bertram in seinen Zeichnungen genaueste Profilangaben. Die Ziffern und Buchstaben zeichnete er neu, weil die gebräuchlichen Schriften ihm für die Prägung ungeeignet erschienen, und so sind die Ziffern schlank und schön und verweisen als mit der Breitfeder geschrieben auf die eleganten Antiqua-Schriften der Renaissance.

Bertrams Arbeiten bewegen sich weit entfernt von der ideologisierten Bildsprache der DDR, er gab Zeitschriften wie der "Sibylle", der "Neuen Berliner Illustrierten" und der "Wochenpost" neue Gesichter. Er schrieb Goethes "Buch Suleika" und "Das hohe Lied Salomo" in der Luther-Übertragung mit der Feder und gestaltete Buchumschläge. Die Schrift der bekannten Reiseschreibmaschine "Erika" und Theatersignets stammen von Bertram sowie zahlreiche Plakate. Er schuf Gedenkmünzen für Gutenberg, Kepler, Dürer und Lilienthal und entwarf Briefmarken mit historischem Spielzeug. Eleganz und Genauigkeit zeichnen Bertrams Arbeiten aus sowie geschichtlicher Bezug. Ihn hat schon immer auch das Interesse am Leben und an den künstlerischen Intentionen seiner Vorgänger bewegt.

Nach dem Ende der DDR musste er sein Arbeitsleben neu ordnen. Er nahm noch einmal für einige Jahre seine Tätigkeit als Professor an der Kunsthochschule in Weißensee auf, er befasste sich mit Fotografie in der Gebrauchsgrafik und begann Illustrationen für historische Bücher zu zeichnen. Er fing an, Schriften zu entwerfen, von denen einige inzwischen von einer der weltweit größten Schriftbibliotheken übernommen wurden, der "Linotype-Library". Bertram liebt die Schrift, er pflegt ein inniges Verhältnis noch zu jedem seltenen Satzzeichen. "An erster Stelle", erklärt er seine Leidenschaft, "steht die Lust am sinnlichen Bild der Buchstaben, die Freude an der lebendig gespannten Form, an der Familiarität von Formnuancen, an der Rhythmisierung der gereihten Zeichen." Kenntnisreichtum, Lust, Freude und ein scharfer Blick sind es, die Axel Bertrams Werke als Meisterstücke herausheben.