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VOR 40 JAHREN: DIE BERLINER MAUER

Wo Welten aufeinander stoßen

GRENZEN - Seit dem Fall der Berliner Mauer sind an vielen Orten der Welt Grenzen durchlässiger geworden. Anderswo aber entstehen neue Mauern - zwischen verschiedenen Völkern, zwischen Reich und Arm.

Hinnerk Berlekamp

Weit über Deutschland hinaus galt die Berliner Mauer als das Symbol von Teilung schlechthin. Das einzige Bauwerk ihrer Art aber war sie nicht. Auch an anderen Orten der Welt schränkten Betonsegmente, Stacheldrahtrollen und Minenfelder die Bewegungsfreiheit der Menschen ein und zementierten zugleich den Status quo: zwischen rivalisierenden Staaten und Blöcken, zwischen verfeindeten Religionsgemeinschaften, zwischen reichen Staaten und ihren armen Nachbarn.

In den letzten Jahren sind viele dieser Mauern verschwunden oder zumindest durchlässiger geworden. In Beirut wurde die "Grüne Linie" beseitigt, die muslimische und christliche Libanesen auf Abstand gehalten hatte. In Nordirland keimt Hoffnung, dass der Friedensprozess bald die Barriere zwischen katholischen und protestantischen Wohnvierteln in Belfast überflüssig macht. Der Epochenbruch 1989/90 brachte auch Bewegung in die Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten.

Andere Mauern dagegen wuchsen immer weiter in die Höhe - wie jene zwischen dem EU-Mitglied Spanien und dem Nichtmitglied Marokko oder zwischen den USA und Mexiko. Die seit 1974 bestehende Grenze zwischen dem türkisch-zyprischen Norden und dem griechisch-zyprischen Süden von Nikosia können bis heute nur Ausländer frei passieren.

Auf dem Balkan wurden in den vergangenen Jahren sogar neue Grenzlinien gezogen, um in Städten wie Mostar oder Mitrovica Kroaten und Muslime beziehungsweise serbische und albanische Kosovaren voneinander zu scheiden. Zugleich mauern in immer mehr Metropolen zwischen Los Angeles und Johannesburg die Wohlhabenden ihre Wohnviertel ein, um sich selbst und ihr Hab und Gut zu schützen und die weniger Begüterten fern zu halten.

Vierzig Jahre nach dem 13. August 1961, zwölf Jahre nach dem 9. November 1989 liegt eine Welt ohne Mauern noch immer in weiter Ferne. (hb.)