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MITTE

Eine Hauswand für Familie Goldtschmidt

Am Koppenplatz 6 bekommen einstige jüdische Eigentümer eine 16 Meter hohe Gedenktafel

Marlies Emmerich

Sieben Namen stehen an der 16 Meter hohen Wand im Innenhof des Hauses Koppenplatz 6. Es sind die Namen von Mitgliedern der Familie Goldtschmidt. Dieser Familie, die fast ausnahmslos während des NS-Regimes ermordet worden war, gehörte früher das Gebäude. Am heutigen Donnerstag wird zusätzlich eine Gedenktafel in englischer und deutscher Sprache im Innenhof enthüllt.

Die Namen auf der Hofwand sind von dünnen Linien eines Buchhaltungsjournals eingefasst. "Um so die menschenverachtende bürokratische Planung zu zeigen", sagen die Initiatoren aus der im gleichen Haus untergebrachten Galerie "sphn". "Es ist schön, wenn wieder Orte jüdischen Lebens sichtbar gemacht werden", sagt Hermann Simon, Direktor des Centrum Judaicum. Das private Engagement der Galeristen um Paul Nunheim und Christian Stötzner sei eine "lobenswerte Initiative". Zugleich wünscht sich Simon, dass auch die ehemaligen jüdischen Bewohner des Hauses nicht vergessen werden sollten. "Mindestens acht jüdische Männer und Frauen lebten dort", sagt Simon. Sicher sei beispielsweise, dass Ida Rosenthal 1943 deportiert wurde.

Paul Nunheim von "sphn" hält die Forschungen über die Geschichte des Hauses noch nicht für abgeschlossen. "Ich habe alte Adressbücher durchgeforstet", sagt Nunheim. Nach seinen Recherchen gab es mit Sicherheit in der angrenzenden Auguststraße 5 jüdische Bewohner. "Sobald wir mehr wissen, ehren wir die Bewohner", sagt Nunheim.

Ilse Goldtschmidt hatte das Haus 1932 gekauft, um ihre Altersversorgung zu sichern. Doch schon 1938 musste sie das Haus zwangsverkaufen. Die Eheleute wurden 1942 verhaftet und mit der damals 20-jährigen Tochter Gabriele nach Auschwitz deportiert. Ilse Goldtschmidt wurde am 11. Oktober 1944 ermordet, ihre Tochter am 13. November 1942 und Lothar Goldtschmidt noch am 8. Mai 1945. Die Verwandten Martha Cron, Berta und Harry Siegbert Goldtschmidt wurden ebenfalls umgebracht. Nur Nichte Ernestine Goldtschmidt konnte emigrieren. Eine Anwohnerin ärgert sich, dass statt "ermordet" auf der Gedenkwand "gestorben in Auschwitz" steht.

Besuch der Gedenkwand: dienstags und freitags 14-19 Uhr, sonnabends 12-17 Uhr. Führungen: Tel. 275 949 25.

BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Die Namen der einstigen jüdischen Eigentümer des Hauses Koppenplatz 6 sollen in Erinnerung bleiben.