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Drei Erdferkel für ein Halleluja

Totale Sauerei: Knorkator geben ein Zusatzkonzert in Berlin

Harald Peters

Die Teilnahme an der Vorausscheidung zum Grand Prix brachte letztlich den Erfolg. In ihrem Beitrag "Ich lass mich klonen" beklagten Knorkator die anatomischen Grenzen der körperlichen Eigenliebe, warfen sich dabei sorgenvoll zu Boden, stöhnten, grunzten und schrien und strampelten auch noch aufgeregt mit den Beinen. Der Effekt blieb nicht aus: Die Band hatte Aufmerksamkeit, die Veranstaltung einen so genannten Skandal und manch anderer die Gelegenheit, sich begeistert zu entrüsten - über den unaufhaltsamen Niedergang des Schlagers, des deutschen Fernsehens und der Kultur im Allgemeinen. Alle waren also zufrieden, und für einen Moment galten Knorkator als die verderblichsten Sittenverroher Berlins. Doch wie man mittlerweile weiß, sind die drei Knorkator-Darsteller Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee im wirklichen Leben Gemütsmenschen: harmlos, normal und vernünftig - so vernünftig wie Leute, die sich ihre Körperhälften der Länge nach tätowieren lassen, eben sind. Betrachten wir Knorkator also nicht als Beispiel fortwährender ethischer Zersetzung, sondern zur Abwechslung mal als Konzeptkunst.

Ihr Äußeres ist fein aufeinander abgestimmt. Stumpen trägt den Schädel rasiert, Alf Ator trägt den Schädel halb rasiert, Buzz Dee rasiert sich nicht einmal den Bart. Ihre Bühnengarderobe steht jedem Mode-Verständnis beeindruckend fern, ihre Konzerte sind ein Kompromiss zwischen Kleinkunst, Performance und Revue. Schonungslos behandeln ihre Lieder kontroverse Themen. Ihre bekanntesten Titel heißen "Ich will nur fickn", "Tötet sie alle" oder "Ding inne Schnauze". Dabei verstehen sie es, ihre Inhalte auf durchaus abstrakte Ebenen zu hieven. So heißt es zum Beispiel in dem Stück "und ging": "Erniedrigung / Verhängnis / Schlauchboot / von hinten / Banane / der König". Sie haben sich eine Kunstsprache ausgedacht, in der alle Regeln zu Grammatik und Rechtschreibung wirkungslos sind. Sie verstehen sich als Unterhaltungskünstler und erklären dazu: "In unserer Funktion als Gruppe stellen wir uns vor einem Publikum zu spielen, etwas zu geben. Dazu braucht das Publikum solche, wie wir es sind." Ihr aktuelles Album trägt den Titel "Tribute to uns selbst", sie nennen sich "Deutschlands meiste Band der Welt". Sie haben also gute Ideen; ihre Musik gehört dabei leider nicht zu ihren besten.

Knorkator am Donnerstag (Zusatzkonzert) und Freitag, jeweils um 20 Uhr in der Columbiahalle, Tel: 698 09 80

Immer kreativ, manchmal auch erfolgreich: "Deutschlands meiste Band der Welt" heißt Knorkator.