ENTHÜLLUNG EINER EHE, ARD. Es ist eigentlich IHR Film. Auch wenn Dominique Horwitz die Hauptrolle spielt. Denn die große Tragik, die ein - womöglich heimlich ausgelebtes - transsexuelles Leben mit sich bringt, spiegelt sich zuallererst in den fassungslosen Augen von Nina Hoger. Sie spielt die Ehefrau des sensiblen Gymnasiallehrers Roman. Alles scheint wunderbar geordnet: Der Mann erfolgreich, die Kinder wohlgeraten, das nächtliche Eheleben auch nach 17 Jahren noch erfüllt. Wie ein Albtraum, erscheint Jana Westphal zunächst die Erkenntnis, dass ihr Ehemann lieber eine Frau wäre. Keine der ihr bekannten Muster greifen: Schwul? Pervers? "Wie kannst du mich begehrenswert finden?", fragt sie einmal ihren Mann. Roman gibt zu, dass er sich beim Sex immer vorgestellt hat, selbst ihren schönen, sinnlichen Körper zu haben.
Sehr dicht an der zerbrechenden Zweierbeziehung entlang thematisieren Nicole Walter-Lingen (Buch) und Michael Verhoeven (Buch und Regie) die Problematik der Transsexualität. Denn jenes Gefühl, im falschen Körper geboren geworden zu sein, bringt zunächst ein Gefühl innerer Zerrissenheit, dann die Zwischenlösung eines Doppellebens und schließlich als eine Art Happyend die Zurückweisung des alten Lebenskonzepts mit sich.
Mit Dominique Horwitz hat Verhoeven einen einfühlsamen Protagonisten gefunden, der die Metamorphose von Roman zu Romina glaubwürdig und mit gleich großem Mut zur Schönheit wie zur Hässlichkeit verkörpert. Dennoch bleibt die Gefühlswelt seiner Figur über weite Strecken eine Behauptung. Lediglich in Gestalt des behandelnden Psychotherapeuten und durch die zahlreichen Nebenfiguren aus der Selbsthilfegruppe erklärt sich das Phänomen Transsexualität. Roman bleibt bis zum Schluss sprachlos, selbst die Erklärung seinen Kindern gegenüber hören wir nicht.
So glückt dieses Projekt letztlich durch Nina Hoger, die dem Stoff mit ihrem starken Spiel das Didaktische weitgehend nimmt. Anders als Horwitz lässt sie uns in ihre Seele blicken, zeigt Verlassenheitsängste und Abscheu, Ratlosigkeit und immer wieder die Liebe zu ihrem Mann. Die, so muss Jana erkennen, findet ihren angemessenen Ausdruck schließlich darin, in die Scheidung einzuwilligen und auch selbst das alte Leben abzustreifen.