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MITTE

Brustschwimmen im Tunnel

Ein Architekturstudent will Autoröhre unterm Alex zum Bad umbauen / Senat sagt Prüfung zu

Karin Schmidl

Ein Architekturstudent der TU mischt sich in die Stadtplanung ein. Eric Sturm, 29-jähriger Stuttgarter und seit 1992 in Berlin, hat sich eine neue Nutzung für den Autotunnel unterm Alexanderplatz einfallen lassen. Er möchte das 90 Meter lange Stück zwischen Karl-Marx-Allee und Haus des Lehrers zu einem Schwimmbad mit Restaurant umbauen. "Unter Null" nennt er seine Diplomarbeit, die er als einer der ersten seiner Fakultät ins Internet gestellt hat. Am 20. September will er die Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen.

"Mit meiner Arbeit will ich etwas tun, was der Stadt nützt und ihr zu mehr Attraktivität verhilft", sagt der Diplomand. Den Alexanderplatz hat er sich ausgesucht, weil ihn die Dimensionen faszinieren. Ein Platz, auf dem immer Trubel herrscht. Außerdem findet der Student die offizielle Planung des Senats für diesen Teil der Stadt misslungen: "Das Planwerk Innenstadt sieht dort verengte Straßen und dicht an dicht stehende Neubauten vor. Viele davon sind Hochhäuser, das passt nicht zu diesem geschichtsträchtigen Platz", sagt Sturm. Auch die Stilllegung des Autotunnels unter dem Alexanderplatz gehört zur offiziellen Planung. "Es wäre eine Schande, den Tunnel einfach zuzuschütten", sagt Sturm. Stattdessen würde er dort, elf Meter unter der Erde, einen Treffpunkt schaffen, wo Menschen sich vom Alltagsstress erholen können.

"Dankbar für jede Idee"

Im Senat sieht man die Arbeit mit Interesse. "Wir sind dankbar für jede ungewöhnliche Idee, die die Stadt schmückt", sagt Ephraim Gothe, persönlicher Referent von Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Dass der Autotunnel zugeschüttet werden soll, stehe zwar im Planwerk Innenstadt. Aber derzeit werde ein Gutachten geprüft, wonach der Tunnel als Tiefgarage dienen soll. Erst wenn sich eine weitere Nutzung als nicht machbar oder zu teuer erweise, werde der Tunnel "irgendwann einmal" zugeschüttet. "Wenn es einen Investor für das Schwimmbad gibt, werden wir das ernsthaft diskutieren", sagt Gothe.

Sturm hat seine Idee detailliert dargestellt. "Das Schwimmbad soll 50 Meter lang sein und fünf Bahnen haben, das passt genau in die Tunnelbreite von 19,40 Metern", sagt er. Die alte Autoröhre müsse vorher natürlich durch ein neues Betonbett ersetzt werden. Oben drauf sollen, wie schon jetzt, Autos parken. Die Besucher des unterirdischen Restaurants könnten dann durch eine Glasscheibe den Schwimmern zuschauen. "Oben tost der Verkehr, unten plätschert Wasser und es werden Cocktails gemixt. Genau solch ein Ort zum Relaxen fehlt am Alex", sagt der 29-Jährige. Etwa 70 Millionen Mark, glaubt er, würde das Ganze kosten. Auch das Labyrinth von Fußgängertunneln am Alex, die teilweise tief unter dem jetzigen Autotunnel entlangführen, hat der künftige Architekt in sein Konzept einbezogen.

Im Lift ans Tageslicht

Bis zu 40 Läden, von der Dönerbude über den Designershop bis zum Internet-Café, sollen die gekachelten, etwa acht Meter breiten, leeren Wege beleben. Durch die Fußgängertunnel geht es übrigens auch ins Schwimmbad und ins Restaurant sowie an bestimmten Stellen per Lift wieder ans Tageslicht. Dieses Tageslicht ist laut Sturm auch die Hauptlichtquelle für sein "Unter-Null"-Projekt: Über ein System stählerner Bleche werden die Sonnenstrahlen in den Untergrund geleitet. Auf diesen Blechen, die oberirdisch gut fünf Meter hoch unter Glas angeordnet werden, spiegeln sich dann die Wellen aus der Tiefe: "Das soll weithin signalisieren, wo genau sich das Bad befindet", sagt Sturm. Doch nicht nur unterirdisch will der Student den Alex beleben. Im Norden des Platzes sieht er einen Biergarten, einen Sportplatz und ein Café vor.

Zur öffentlichen Präsentation der Diplomarbeit, sagt Ephraim Gothe aus der Bauverwaltung, wird jedenfalls auch die Senatsbaudirektion vertreten sein.

Erlebnisort statt Verkehrsknoten // Die Geschichte: Mit der Einrichtung der Pferdebahnlinien in Richtung Weißensee, Friedrichsfelde und Lichtenberg wurde der Alexanderplatz etwa ab 1885 zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Berlins. Als die U-Bahn-Linie "A" 1913 den Alex erreichte, war der Platz auch unterirdisch für den Massenverkehr gerüstet. Die Grunerstraße und der Autotunnel wurden zwischen 1966 und 1969 angelegt.

Die Planung: Das "Planwerk Innenstadt" sieht für den Alexanderplatz neben vielen Hochhäusern vor, die Straßen zu verschmälern. Dafür sollen an den Rändern Häuser entstehen. Der Tunnel soll zugeschüttet werden.

Die Alternative: Eric Sturm schlägt vor, den Tunnel weiter zu nutzen und dort ein Schwimmbad und eine Gaststätte einzubauen. Die öffentliche Präsentation seiner Diplomarbeit ist am 20. September um 19 Uhr, Halle 7 der TU, Straße des 17. Juni 152.

Die Arbeit findet man im Internet unter www. unternull. de BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Eric Sturm vor seinem Tunnel-Modell: Bis zur Präsentation im September will er es perfektionieren.

ERIC STURM (2) Als Modell ist das Projekt fertig: Blick ins Restaurant, im Vordergrund das erhöht liegende Schwimmbad.