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PANKOW

Bahnhofsvorplatz bekommt den Namen Garbáty

Symbolische Umbenennung am 16. September / Entscheidung über die Station steht noch aus

Mathias Raabe

Der Platz vor dem U- und S-Bahnhof Pankow wird ab dem 16. September nach Josef Garbaty heißen. An diesem Tag wird der neue Umsteigbahnhof eröffnet. "Wir planen zunächst eine symbolische Umbenennung des Platzes", sagt Baustadtrat Andreas Bossmann (für PDS). Ein Schild soll dann an den wegen seines sozialen Engagements bekannten jüdischen Zigarettenfabrikanten erinnern. Die offizielle Umbenennung des bislang noch namenlosen Areals erfolgt später. Zuvor muss das als Grünfläche ausgewiesene Gelände in Straßenland umgewidmet und die gesetzlich vorgegebene Einspruchsfrist abgewartet werden.

Mit der Namengebung reagiert Bossmann auf einen Beschluss der Pankower Bezirksverordneten. Die hatten sich im April darauf geeinigt, den Bahnhofsvorplatz sowie den Bahnhof selbst nach dem 1939 verstorbenen Garbaty zu benennen. Zuvor war in der BVV ein Versuch gescheitert, die Berliner Straße - dort hatte Garbaty seine Zigarettenfabrik - zu benennen.

Probleme bereitet dem Baustadtrat die von der BVV geforderte Stele, auf der die wichtigsten historischen Lebensdaten der Familie Garbaty vermerkt werden sollen. Laut Bossmann ist die Finanzierung der Stele noch offen. Über die Umbenennung des Bahnhofs hat der Bezirk mit der Deutschen Bahn AG und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) verhandelt. Die Bahn - sie ist zuständig für den S-Bahnhof - habe bereits Entgegenkommen signalisiert, sagt der Stadtrat. Allerdings müsste der Bezirk die Umbenennungskosten tragen. Die belaufen sich laut Bahn AG auf 51 000 Mark - eine Summe, die der Bezirk nicht aufbringen kann. "Wir haben deshalb einen Alternativvorschlag unterbreitet", sagt Bahn-Sprecher Achim Stauß. Dieser beinhaltet, die Bezeichnung Garbaty-Platz zusätzlich auf die Schilder Bahnhof Pankow anzubringen, dafür aber auf eine berlin- und bundesweite Änderung des Stationsnamens in Fahrplänen und Verzeichnissen zu verzichten. Das wäre wesentlich kostengünstiger.

Bossmann will im Bezirksamt für dieses Variante werben. Allerdings steht eine Entscheidung der BVG für den U-Bahnhof noch aus. "Eine Umbenennung macht natürlich nur Sinn, wenn sie im ganzen Bahnhof einheitlich ist", sagt der Stadtrat.

Der Zigarettenfabikant Garbaty // Am 27. Juni 1851 wurde Joseph Garbaty in Lida in Weißrussland geboren. In den folgenden Jahren wanderte die Familie nach Preußen aus.

1890 eröffnete Garbaty seine erste Zigarettenfabrik an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg.

1906 wechselte die Firma in die Hadlichstraße nach Pankow.

1912 entstand an der Berliner Allee ein weiteres Fabrikgebäude.

1918 führte Garbaty für seine 1 000 Arbeiter eine Arbeitslosenfürsorge ein. Außerdem unterstützte er die jüdische Gemeinde mit Geldspenden.

1938 wurde das Unternehmen von den Nazis arisiert.

Im Dezember desselben Jahres verließ die Familie Garbaty, mit Ausnahme des Firmenchefs, Deutschland.

Am 29. Juni 1939 starb Josef Garbaty in Berlin.