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AHRENSFELDE / MARZAHN

An der Ortsumgehung scheiden sich die Geister

Vier Varianten zur Umfahrung: Betroffene diskutierten beim Leserforum der "Berliner Zeitung" mit Fachleuten

Jens Blankennagel

Wenn Jürgen Wegener morgens um halb sechs in Ahrensfelde aus dem Bett steigt, stehen die Autos schon Stoßstange an Stoßstange vor seinem Haus fünf Meter vom Fenster entfernt. "Der tägliche Morgenstau auf der Dorfstraße dauert bis 10 Uhr", sagt er. Dann werde es ein wenig ruhiger, aber ab 15 Uhr gehe es weiter bis 20 Uhr. "Ganz schlimm ist der Lärm und Gestank an den Wochenenden im Sommer." Da helfen auch die Lärmschutzfenster nicht. "Wir können nicht mehr richtig schlafen."

Pro Tag fahren 25 000 Autos über die Bundesstraße 158 durch Ahrensfelde zur Autobahn. Der Stau beginnt dann am Ortseingang, direkt an der Marzahner Grenze. Abhilfe soll eine Ortsumgehungsstraße bringen, über die seit 16 Jahren diskutiert wird. Bisher erfolglos. Die betroffenen Bürger und die Straßenbauverwaltung konnten sich bisher nicht auf eine Trassenführung einigen.

Auch beim Leserforum der "Berliner Zeitung" am Donnerstag in Ahrensfelde ging die Kontroverse weiter. Eingeladen waren Gerhard Blankenburg vom Brandenburgischen Straßenbauamt, Wilfried Brill von der Senatsverkehrsverwaltung, Wilfried Nünthel, Baustadtrat von Marzahn sowie Peter Hackbarth und Bernd Heidenreich, die Bürgermeister von Ahrensfelde und der Nachbargemeinde Eiche. Sie diskutierten mit 200 Betroffenen aus der Region über die vier Varianten der geplanten Ortsumfahrung.

Die Ahrensfelder favorisieren mehrheitlich eine Trasse, die östlich am Ort vorbeiführt. Dagegen ist die Gemeinde Eiche. Sie wäre dann vom Lärm der neuen Straße betroffen. Auch Berlin lehnt diese Variante ab, da die Strecke zu einem erheblichen Teil über Berliner Territorium führen würde. "Das ist in unserem Flächennutzungsplan nicht vorgesehen", sagt Brill. Außerdem müsste Berlin dann Geld für die eigentlich vom Bund finanzierte Strecke zur Verfügung stellen. "Das können wir uns nicht leisten", sagt er. Brandenburg wolle ja auch nicht für die Straße zahlen.

Der Marzahner Nünthel bevorzugt keine der Strecken, denn mit der Verlegung der Straße werde nach seiner Meinung das Verkehrsproblem nur verlagert und nicht gelöst. Eine großflächige Planung für den Nordosten Berlins wäre sinnvoll. "Mir scheint es, dass wir uns hier raufen sollen, bis wir müde sind", sagt er. Der Streit werde in der Region ausgetragen, aber eigentlich müssten sich die Parlamente beider Länder einigen. "Noch ist alles offen", sagt Straßenplaner Blankenburg, "denn es gibt noch keine Vorzugsvariante." Realistisch seien aber nur die beiden Trassen, bei denen neue Straßen mitten im Ort gebaut werden.

Genau das lehnen viele Ahrensfelder ab: "Dann kann doch die Straße nicht mehr Ortsumgehung genannt werden", empören sich Leute im Saal. Außerdem käme es zu keiner Entlastung im Ort, da die neue vierspurige Straße noch mehr Verkehr anziehen würde. Die Bürgerinitiative für die Strecke außerhalb des Ortes unterstellt den Planern, sie würden von vornherein so planen, dass nur die Varianten durch den Ort übrig blieben.

Das befürchtet auch Jürgen Wegener: "Wenn das passiert, habe ich die Dorfstraße fünf Meter vor und die Ortsumgehung 150 Meter hinter dem Haus."

"Mir scheint es, dass wir uns raufen sollen, bis wir müde sind. " W. Nünthel Baustadtrat von Marzahn