An die Zeit mit Roy Black denke er gerne zurück, sagt Terry Black, und dass er den gleichen Nachnamen trägt, sei nun auch nicht ganz zufällig. Schließlich waren die beiden mal gut befreundet. Als Schauspieler und Fernsehmoderator ist der heute 52-Jährige in seinem Heimatland Ungarn mindestens so bekannt wie Roy. Für eine eigene Show ist der Schauspieler, Sänger, Autor und Ungarns prominentester Schwuler wieder dorthin zurückgekehrt, wo einst alles für ihn begann: nach Berlin. "Ohne Tabu" heißt seine Talkshow, die einmal im Monat in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg stattfinden wird. "Ohne Tabu" steht auch für das, wofür Terry sein Leben lang gekämpft hat: Ohne Einschränkungen mit seinen sexuellen Neigungen so leben zu können, wie man wollte, ob schwul, hetero oder transsexuell.
"Wenn man im Westen von sexueller Freiheit spricht, müsste man in Ungarn besser vom Mittelalter sprechen", sagt Terry. Er selber sei nur in der Öffentlichkeit als Schwuler akzeptiert worden, weil er schon vorher überall als Schauspieler bekannt war. "Für den einfachen Mann auf der Straße kann in Ungarn das Schwulsein zum Verhängnis werden", sagt Terry, "und bei Aids weiß dein Arbeitgeber eher als du selbst, dass du HIV-positiv bist." Terry Blacks Karriere begann in den siebziger Jahren. In einem Beate-Uhse-Kino in der Nähe vom Kudamm arbeitete der junge Terry als Berlins erster männlicher Stripper als Showeinlage zwischen den Vorstellungen. Zehn Jahre später bekannte er sich zur Transsexualität. Heute zieren schillernde Kleider in silber und blau, Federboas und schwerer Schmuck seine Kleiderschränke. Der neu erlangte Busen sitzt nach einer etwas missglückten Operation in Ungarn nicht ganz perfekt. "Die erste und die letzte Operation", sagt Terry. Provoziert habe er schon immer: Ob mit seiner Schwulenkneipe, die erste offizielle Bar für Homosexuelle in Budapest nach dem Mauerfall, oder mit seinen Fernsehauftritten. Thema der ersten Talkshow in Berlin ist die "Schwulenkultur in Ungarn", eingeladen ist der ungarische Botschafter und ein prominenter ungarischer Journalist. Showeinlagen gibt es auch, denn "bunt soll der Abend trotzdem werden". Ein Kostüm hat er bereits ausgesucht elegant, aber schlicht. "Schwul, transsexuell, Ausländer und trotzdem konservativ", lacht Terry, und zieht mit gespitzten Lippen damenhaft an der Zigarette.
"Ohne Tabu" jeden letzten Montag in der Kulturbrauerei, 19.30 Uhr, 15 Mark.