BERLIN, 25. August. Nach mehreren Jahren mit kräftigen Kurssteigerungen ist die Luft am deutschen Aktienmarkt dünner geworden. Der Deutsche Aktienindex (Dax) bewegt sich nur knapp über dem Stand zu Jahresbeginn, und auch der Neue Markt hat sich mittlerweile recht deutlich von seinen Höchstständen entfernt. Erst in dem schwierigeren Umfeld zeigt sich die Qualität von Aktienfonds, die nun nicht mehr auf den "Selbstläufer-Effekt" setzen können. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Von 130 deutschen Aktienfonds konnten bis zu diesem Zeitpunkt rund 90 den Index schlagen.
Kleine Werte schlagen Blue Chips
Wie schon im vergangenen Jahr laufen auch aktuell die auf Nebenwerte fokussierten Fonds den überwiegend auf die Schwergewichte des Dax setzenden Produkten den Rang ab. Prominentestes Beispiel hierfür ist der Multistock Special German von Julius Bär, der erneut zu den erfolgreichsten Fonds gehört. Aber auch die Adig-Gruppe belegt mit zwei ihrer Nebenwerte-Deutschland-Fonds Plätze in der Spitzengruppe. Wichtig für Anleger: Sowohl die Adig-Produkte Plusfonds und Adiselekt als auch der Bär-Fonds rangieren auch auf längere Sicht unter den Besten. In den letzten drei Jahren lag ihre Wertentwicklung weit über den Zuwächsen des Dax.
Dies gilt aber auch für die überwiegend auf Standardwerte konzentrierten Fonds, wie den Baring German Growth, den ABN Amro Germany, den ausgabeaufschlagfreien Tradingfonds DWS Deutsche Aktien Typ O und den abermals von der Adig aufgelegten Nürnberger A-Fonds. Ganz auf den Neuen Markt verzichten aber auch diese nicht. Das gilt insbesondere für den Baring-Fonds, der frühzeitig auf das neue Segment setzte. "Als der Neue Markt in den Fokus rückte, haben wir davon sehr profitiert", sagt Fondsmanagerin Sylvia Solomon, die den Deutschland-Fonds von Baring zu Jahresbeginn übernommen hat. Seitdem hat sie den Depotanteil allerdings deutlich von rund 25 auf sechs Prozent reduziert. "Mit den anziehenden Zinsen lässt die Bereitschaft nach, hohe Prämien für die Wachstumstitel zu bezahlen", erklärt sie ihre vorläufige Zurückhaltung. Inzwischen seien die Kurse aber so weit gefallen, dass sich wieder interessante Gelegenheiten böten, meint Solomon und verweist insbesondere auf Werte aus dem Software-Bereich.
Auch Corinna Eller, Fondsmanagerin des Nürnberger Adig A, hat ihr Engagement im Neuen Markt deutlich zurückgenommen. Mit EM.TV und TDS hat sie nur noch zwei Titel mit einem Gesamtanteil von zwei Prozent im Depot, nach dem der Neue-Markt-Anteil zwischenzeitig bis zu zehn Prozent betrug. Einen Teil der Outperformance gegenüber dem Dax verdanke auch sie dem Boom der Wachstumstitel, noch wichtiger war aber die erfolgreiche Titelauswahl im Dax-Bereich, so Eller. Dies gelte etwa für die starke Positionierung in Siemens und Veba, aber auch bei Banktiteln, wie der Dresdner und der Deutschen Bank.
Die Banken gehören auch zu den Favoriten von Erika Weisenhorn, die den DWS-Tradingfonds managt. Einen Volltreffer landete sie dabei mit dem Engagement bei der BHF-Bank, deren Kurs nach dem Übernahmeangebot durch die niederländische ING unlängst nach oben schnellte. Auch Weisenhorn investiert bis zu zehn Prozent im Neuen Markt, wobei sie derzeit mit Aixtron und Kinowelt nur zwei Titel als "längerfristige" Positionen betrachtet.
Zu den Favoriten der Anlagestrateginnen gehören auch Mannesmann, die den klaren Vorzug vor der Deutschen Telekom erhält, und Siemens. Hinzukommen Werte aus dem Chemie- und Pharmabereich, die von Eller stark übergewichtet werden. "Der Sektor hat die Talsohle durchschritten", erläutert sie und verweist auf den verminderten Preisdruck und die wieder steigende Nachfrage aus Asien und Europa.
Günstiges Umfeld
Überhaupt beurteilen die Fondsmanagerinnen die Aussichten der deutschen Aktien positiv. Die ökonomischen Rahmendaten, die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung und nicht zuletzt die Hoffnung auf die Steuerreform wiesen auf eine Verbesserung der Unternehmensgewinne hin. Sorge bereitet jedoch der Blick auf die USA. Die jüngste Entwicklung habe einmal mehr gezeigt, daß sich der deutsche Markt den Verwerfungen an den US-Börsen nicht entziehen kann, sagt Weisenhorn. Sollte es von dort zu weiteren Verunsicherungen kommen, dann komme es darauf an, die fundamentale Situation des deutschen Marktes im Auge zu behalten. Das bedeutet: Nerven behalten und mögliche Kursrückschläge für Käufe nutzen.
DEUTSCHLAND-FONDS Gute Chancen in der Marktflaute // Viele Deutschlandfonds konnten durch die Beimischung von Wachstumswerten den Vergleichsindex Dax schlagen.
Besonders gut schneiden Fondsmanager in Marktphasen ab, in denen sich die Kurse seitwärts entwickeln.
Experten sehen gerade für deutsche Dividendenpapiere noch erhebliches Potenzial. Treibsatz für steigende Gewinne und damit Kurse seien sowohl die kräftige Konjunkturbelebung als auch die geplante Steuerreform.