Er war vor der Wende eine Größe in Berlins Unterwelt: Wolfgang Albert Waldemar Schwanz, bekannt unter Otto Schwanz, ein Name, den der heute 58jährige entsprechend dem Geheiß seiner Mutter nie abgeändert hat. Der gelernte Fliesenleger hatte sich vom Leibwächter zum Bordellkönig in Wilmersdorf hochgearbeitet. Bekannt wurde Otto Schwanz aber vor allem durch die Bestechungsaffäre um den Charlottenburger CDU-Baustadtrat Wolfgang Antes. Am 7. April 1987 verurteilte ihn die 10. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts angesichts seiner beträchtlichen Vorstrafen zu sechseinhalb Jahren Gefängnis. Schwanz hatte Antes mit 50 000 Mark geschmiert. Es ging um eine bevorzugte Verpachtung des "Cafés Europa" am Breitscheidplatz.
Am Dienstag saß Schwanz mit grauem Gesicht und eingefallenen Wangen erneut vor dem Berliner Landgericht. "Arbeitslos" gab er auf die Frage nach seinem Beruf an. Gelegentlich jobbte er noch als Fliesenleger oder half in der Computerfirma seines Schwiegersohnes aus. Vor Gericht ging es diesmal um gefälschte BVG-Marken und "Dollar-Scheine", die nicht einmal ein Laie für echt hielt. Es waren schlechtgemachte Blüten, gedruckt auf viel zu dickem Taschenbuchpapier. Nicht ein Geldschein davon war in den Umlauf gelangt. Schwanz soll die Scheine in Auftrag gegeben haben.
Die Staatsanwaltschaft warf Otto Schwanz im einzelnen vor, zwischen September 1995 und Oktober 1997 monatlich zwischen 200 und 300 BVG-Marken verkauft zu haben. Schwanz räumte das ein. "Ich bezahlte pro Stück 7,50 Mark und verkaufte sie für das Doppelte weiter." Er habe Schulden gehabt, sagte er, konnte die Miete nicht mehr bezahlen. Und für das Geschäft mit den Computern "war ich zu alt". Zwischenzeitlich habe er sich um den Kauf der Hertha-Villa bemüht. Ein Nachtklub sollte da entstehen, "seriös". Doch Hertha habe ihm das Haus nicht verkauft. Mit "Blüten" und gefälschten Vietnamesen-Pässen wollte Schwanz allerdings nichts zu tun haben. Bei der Durchsuchung einer Tiergartener Druckerei war die Polizei auf 140 falsche Pässe und die Dollar-Blüten im Wert von 1,8 Millionen Mark gestoßen. Der Drucker hatte Otto Schwanz als Auftraggeber genannt. "Ich habe für die Scheine von Schwanz 10 000 Mark Vorschuß bekommen." Doch dann habe Schwanz die Blüten nicht genommen. "Weil die Qualität nicht stimmte." Schwanz: "Er hat mir mal falsche Dollarnoten gezeigt. Aber die fand ich beschissen. Ich hab gesagt, verbrenn die."
Vor genau zwei Wochen wurde der Drucker zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Gericht glaubte ihm mehr als Schwanz: Der Ex-Bordellkönig muß wegen Wertzeichenfälschung und Anstiftung zur Geldfälschung vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.