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Strieders Plan: Müggelberge sollen Hunde-Auslaufgebiet werden

Widerstand vor allem bei Förstern wegen Erfahrungen aus Grunewald

Karin Schmidl

Leinen los im Müggelwald ­ geht es nach Berlins Umweltsenator Peter Strieder (SPD), könnte das Erholungsgebiet im Südosten der Stadt offiziell zum "Hunde-Auslaufgebiet" erklärt werden.

Die Idee, damit die Vierbeiner aus der Stadt zu locken, läßt der Senator derzeit prüfen. "Ein solcher Platz soll für die Hunde, nicht für die Hundebesitzer attraktiv sein", sagte Strieder gestern der "Berliner Zeitung". Im Müggelwald, mit mehr als 2 500 Hektar das größte zusammenhängende Wald-Areal im Osten, werde mit der Prüfung begonnen. Fällt sie positiv aus, dürfte alles, was vier Beine hat und bellt, ungehindert durch die Müggelberge jagen.

Eine Vorstellung, die den Verantwortlichen Kopfschmerzen beschert. Köpenicks Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD), Halter eines Langhaardackels, steht ihr völlig ablehnend gegenüber: "Ein Hunde-Auslaufgebiet werden die Müggelberge auf gar keinen Fall." Die Ausflugs-Perle rund um den Müggelturm gehöre der Allgemeinheit. Zehntausende Menschen strömten an den Wochenenden hierher. Mit Kind und Kegel ­ und mit Hund. Aber: "Bitte auch weiterhin angeleint", wünschen sich Berlins Förster.

Beschädigte Bäume

Sie haben leidvolle Erfahrungen mit dem größten deutschen Hunde-Auslaufgebiet im Grunewald. 800 Hektar, nahezu das gesamte Revier Dachsberg, sind mit einigen Unterbrechungen seit 70 Jahren Tummelplatz für leinenlose Vierbeiner. "Der Wald ist an vielen Stellen zerstört", beschreibt Elmar Kilz, Referatsleiter beim Landesforstamt. Junge Bäume wachsen nicht mehr, weil ihre Stämme "totgepinkelt" wurden. Sogar alte Eichen wurden zum Schutz vor Hunde-Urin mit Barrieren geschützt. Rehe sind verschwunden. Andere Tiere, wie Sportpferde oder Frischlinge, sind bereits angefallen worden.

"Wir würden den Grunewald eher heute als morgen für Hunde sperren", sagen Forstamtsmitarbeiter, die lieber ungenannt bleiben. Mit Hundehaltern, die im Freilaufgebiet einen "Freibrief" für ihre Tiere sehen, haben sie schlechte Erfahrungen gemacht. "Wenn ein Hundebesitzer Leute, die sich beim Spaziergang durch Hunde bedroht fühlen, anpöbelt, sie sollten doch woanders hingehen, hört der Spaß auf", stellt auch Elmar Lakenberg, der neue Leiter der Berliner Forsten, klar. Auch im Hunde-Auslaufgebiet gelten Regeln: Menschen dürfen nicht gefährdet werden. Die Tiere sollen nur leinenlos laufen, wenn sie jederzeit zurückgerufen werden können ­ und dann auch gehorchen. Aber letzteres liegt oft im argen. Weil viele ihre Hunde nicht tiergerecht halten, meint Lakenberg: "Wenn ein Tier die ganze Woche allein in der Hochhauswohnung herumlungert, weil niemand Zeit hat, und dann am Wochenende durchknallt, stimmt etwas nicht."