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Martin Matz als FDP-Chef wiedergewählt

Einige Nationalliberale bereits aus der Partei ausgetreten

Stefan Ehlert

Martin Matz bleibt Vorsitzender der Berliner FDP: Er konnte sich in einer Stichwahl mit 169 von 330 gültigen Stimmen durchsetzen. Sein Widersacher, der ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, erhielt 143 Stimmen. Bereits im ersten Wahlgang war der Bonner Staatssekretär im Justizministerium Heinz Lanfermann mit nur 75 Stimmen ausgeschieden.

Nur wenige Minuten nach der Wahl trat Markus Roscher vom äußersten rechten Flügel der Liberalen ans Mikrofon und erklärte seinen Austritt aus der Partei. Dem Präsidium übergab er weitere 20 Austrittserklärungen und sagte: "Die Nationalliberalen haben in der FDP keine Zukunft mehr."

Das knappe Ergebnis für Matz zeigt, daß die Gräben in der 2,5-Prozent-Partei noch immer nicht überwunden sind. Das offenbarte auf dem Landesparteitag im Hotel Estrel zuvor auch schon die Debatte über den Geschäftsbericht von Matz. In der Debatte suchten vor allem die Anhänger des eher Sozialliberalen Matz und seines Gegenkandidaten, des Nationalliberalen Alexander von Stahl, sich zu profilieren. Heinz Lanfermann blieb ohne deutliche Unterstützung des Parteivolks, meldete sich selbst auch erst in seiner Kandidatenrede zu Wort.

Auf Kritik vieler Delegierter stieß die Ankündigung von Martin Matz, als FDP-Vorsitzender wolle er auch für den Bundestag kandidieren. Alexander von Stahl unterstrich demgegenüber die Bedeutung landespolitischer Themen. Er lieferte eine böse Abrechnung mit der Politik der Berliner Koalition. "Berlin wird nicht im Verkehr, sondern in Müll und Dreck ersticken", prophezeite er und pries "preußische Tugenden" wie Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit. Andere Delegierte lobten die von Matz beabsichtigte Bündelung der Kräfte. Man müsse in der Kommune und im Bund vertreten sein und die kommenden Wahlkämpfe nutzen, die eigenen Kandidaten bekannter zu machen. Heinz Lanfermann, der Bonner Staatssekretär, pries sich als "liberaler Zuwanderer", der als von außen kommender Kandidat die Flügel einen und die Krise der Parteien überwinden könne: "Ich war hier an keiner Auseinandersetzung beteiligt", sagte er.

Über alle Gräben hinweg zeigten sich die meisten Delegierten bestürzt über die Schwäche der Berliner FDP, die laut Umfragen nur rund 2,5 Prozent der Wählerstimmen erhielt: "Wir sind APO im tiefen Loch", brachte der Delegierte Jürgen Biederbick die Stimmung auf den Punkt. Die Vorstandswahlen werden am Sonnabend fortgesetzt.