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Drei Kandidaten wollen auf den FDP-Chefsessel

Parteitag entscheidet heute über Landesvorsitz

Stefan Ehlert und Tobias Miller

Kleine Partei, große Spannung: Heute abend, gegen 21 Uhr, entscheiden die 350 Delegierten des FDP-Landesparteitages über den neuen Vorsitzenden und damit über den Kurs der Berliner FDP. Für den Chef-Posten gibt es drei Anwärter: den derzeitigen Parteichef Martin Matz, den Bonner Staatssekretär Heinz Lanfermann und den ehemaligen Generalbundesanwalt Alexander von Stahl. Der Wahlausgang steht keineswegs fest.

Der amtierende Vorstand rechnet mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen von Stahl und dem jungen Martin Matz. Matz steht mit 32 Jahren für eine Verjüngung der 2 700 Mitglieder umfassenden Partei, die zuletzt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus nur 2,5 Prozent der Wählerstimmen gewann. Betriebswirt Matz erfreut sich der Unterstützung von Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt, obwohl Matz den Profilverlust der FDP in der Bonner Koalition immer wieder bemängelt hatte.

Als Vertreter der bürgerlichen Mitte stellt sich der Bonner Justiz-Staatssekretär Heinz Lanfermann zur Wahl. Obwohl noch ohne Berliner Hausmacht könnte Lanfermann eine ernste Gefahr für Matz werden. Er steht hinter dem innerparteilich umstrittenen Großen Lauschangriff und befürwortet kompromißlos den Machterhalt und die Fortführung der Bonner Koalition mit CDU und CSU. Lanfermann könnte die Stimmen all der Matz-Kritiker auf sich vereinen, für die Alexander von Stahl nicht wählbar ist.

Der Nationalliberale von Stahl war bereits vor zwei Jahren gegen Matz unterlegen. Sollte er auch diesmal verlieren, so werden einige seiner Anhänger die Partei verlassen und zur rechtspopulistischen Liberalen Offensive und dem Bund Freier Bürger übertreten. Von Stahl selbst will in der FDP bleiben, aber sein Unterstützer Markus Roscher will mit bis zu 20 Getreuen an die Seite Manfred Brunners und Heiner Kappels treten. Die Begründer des Bundes Freier Bürger (BFB) und der "Offensive für Deutschland" stehen dem Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Jörg Haider, nahe, der sich durch seine rechtsextremen Positionen zur vermeintlichen "Überfremdung" durch Ausländer einen umstrittenen Ruf erworben hat. Entgegen anderslautenden Gerüchten nimmt der FPÖ-Chef jedoch nicht am BFB-Parteitag teil, der Sonnabend im Forum-Hotel stattfindet.

Sowohl den bevorstehenden Austritten als auch der angekündigten Eintritts-Welle von 3 000 Studenten sieht FDP-Sprecher Jan Burdinski gelassen entgegen. Vor 1999 würden die Neumitglieder kaum Einfluß gewinnen: "Solange halten die kaum durch", so Burdinksi.