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Wenn die Körbe groß wie Scheunentore sind

Trotz der bitteren Niederlage ist für Alba noch alles möglich

Matthias Krause

BERLIN/ZAGREB, 21. November. Toni Kukoc hat den Effekt einmal so beschrieben: "Dann ist das leichter als ein Korbleger. Du siehst nur das große, weite Loch, und jeder Ball, den du schießt, ist drin." Elf von zwölf Würfen hatte Kukoc gerade versenkt, 6,25 Meter und weiter vom Korb entfernt stehend. Das war 1987, Jugoslawien schlug die USA im WM-Finale der Junioren 86:76.

Kukoc spielt seit 1993 für Meister Chicago Bulls in der Profiliga NBA, aber seine kroatischen Landsleute beherrschen die Kunst der Distanzwürfe nach wie vor besser als die meisten. 13 von 28 Drei-Punkte-Versuche versenkte Cibona Zagreb am Donnerstag abend beim Erfolg gegen Alba Berlin.

Jeder Wurf ein Treffer

Keine sensationelle Bilanz, aber doch genug, um den Gästen aus Deutschland eine deprimierende 84:96 Niederlage am 8. Spieltag der Europaliga beizubringen. "Das war schon ein bißchen frustierend", befand Assistenztrainer Burkhardt Prigge hernach, "wir haben kein besonders tolles Spiel geliefert." Es ging schon in den ersten Minuten los. Veljko Mrsic düpierte Albas besten Verteidiger Henrik Rödl nach Belieben, versenkte todsicher drei Versuche jenseits der bewußten Drei-Punkte-Linie und provozierte zudem in vier Minuten drei Fouls.

Daß Rödl, den Wendell Alexis nach dem großen Sieg gegen Teamsystem Bologna als Klebstoff, der alles zusammenhalte, beschrieben hatte, so gar nicht ins Spiel kam, irritierte offensichtlich das gesamte Team. Weder Spielgestalter Wassili Karassew, noch die erfahrenen Alexis oder Christian Welp vermochten es, Ordnung zu halten. Nur Henning Harnisch tat, was er tun konnte, um die Niederlage abzuwenden. Zu wenig an diesem Abend.

Die Kroaten waren heißgelaufen und dachten nicht daran, wieder abzukühlen. Genau das hatte Alba mit aller Macht vermeiden wollen, doch nichts half. Es schien so, als halte die Mannschaft wieder einmal dem Druck nicht stand, der immer dann besonders schwer auf ihr lastet, wenn sie gegen vermeintlich ebenbürtige Teams antritt. Richtig wohl fühlt sich der Meister dagegen, wenn er als Außenseiter gehandelt wird. Überraschung gegen Italiens Dreamteam? Sieg beim heimstarken AEK Athen? Kein Problem. Aber wenn es gegen den Tabellenletzten der Europaliga Gruppe D geht, flattern dem Pesic-Team die Nerven.

"Das war eine bittere Niederlage", konstatierte Prigge, "aber noch ist alles möglich." Wohl wahr. Nicht einmal die Ambitionen auf den Spitzenplatz der Gruppe nach Abschluß der Hauptrunde müssen die Berliner aufgeben. Voraussetzung wären jedoch Erfolge in den beiden letzten Heimspielen gegen Olimpija Ljubljana (11. Dezember) und Athen (18. Dezember).

Bereits am Sonnabend ist aus der nationalen Liga der TVG Trier zu Gast in der Max-Schmeling-Halle (15 Uhr). Dann folgt eine zweiwöchige Punktspiel-Pause, die Nationalcoaches bitten zur EM-Qualifikation. Vier Berliner hat Henrik Dettmann nominiert, mit den anderen muß Pesic derweil nach Selbstvertrauen und Rhythmus fahnden. Daß er dazu fähig ist, steht außer Zweifel. Schließlich betreute er auch Kukoc, damals, als die Körbe groß wie Scheunentore waren.