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Überfall auf ADAC-Chef geklärt: Zwei Berliner Polizisten verhaftet

Uniformierte Beamte hatten Ehepaar Wegener mit Pistolen bedroht

Michael Helberg und Matthias Gebauer

Der brutale Überfall auf den Berliner ADAC-Chef Wolf Wegener konnte nach mehr als vier Wochen Ermittlungen jetzt aufgeklärt werden. Als dringend Tatverdächtige wurden zwei Berliner Polizeibeamte festgenommen.

Am 6. September hatten sich zwei Männer in Polizeiuniformen unter einem Vorwand Zugang zu der Dahlemer Villa verschafft und anschließend Ilse und Wolf Wegener ausgeraubt. Dabei drohten sie mit Schußwaffen und stahlen Schmuck und Bargeld. Später flüchteten sie mit einem bereitgestellten BMW.

Zeugen erkannten Täter Nach intensiven Ermittlungen wurden in der vergangenen Woche der 30jährige Polizeiobermeister Michael B. aus Velten (Kreis Oberhavel) und der 22jährigen Polizeimeister Thorsten S. aus Berlin festgenommen. Beide sind bereits wegen Körperverletzungen im Dienst und anderer Delikte seit August, beziehungsweise September des vergangenen Jahres unabhängig voneinander vom Dienst suspendiert worden. Beide Polizisten waren seit mehreren Jahren auf verschiedenen Berliner Polizeiabschnitten der Direktion 1 (zuständig für Wedding, Reinikkendorf und Pankow) als Schutzpolizisten tätig. Nach einer Gegenüberstellung mit Zeugen wurden sie jetzt eindeutig als Täter identifiziert.

Spur nach München Auf ihre Spur waren die Fahnder des Raubdezernats im Landeskriminalamt der Berliner Polizei durch Hinweise der Münchner Kripo gekommen. In der bayrischen Landeshauptstadt waren Schmuckstücke der bundesweit gesuchten Beute aus dem Überfall in einem Schmuckladen am Viktualienmarkt aufgetaucht.

Auch in Berlin versuchten Thorsten S. und Michael B. die gestohlenen Stücke zu verkaufen. Weitere Angaben wollten die Fahnder aufgrund der noch laufenden Ermittlungen nicht machen.

Unklar ist der Polizei nach wie vor, woher die Täter die Uniformen und Waffen für den Überfall hatten. Nach Angaben des Polizeipräsidiums mußten beide Beamte bei ihrer Suspendierung sowohl die Pistolen wie auch ihre Uniformen abgeben und erhielten gleichzeitig Hausverbot für ihre Dienststellen.

Die Ermittler vermuten, daß sich die Täter bei einem Kostümverleih die Dienstkleider besorgt hatten. Darauf deuten auch die Aussagen der beiden Opfer hin, sagte der Chefermittler des zuständigen Raubdezernates Detlef Schade. "Das Ehepaar Wegener berichtete uns, daß die Polizeiuniformen eng gesessen haben", so Schade. Auch bei den bisher durchgeführten Hausdurchsuchungen habe man werder Uniformen, noch Waffen gefunden.

Der Flucht-BMW wurde bei einem der mutmaßlichen Täter sichergestellt. Nach der Tat suchten die Fahnder nach einem Hamburger BMW, mittlerweile gehen die Beamten davon aus, daß der gefundene BMW für die Tat mit anderen Kennzeichen ausgestattet worden ist.

Polizeipräsident enttäuscht Polizeimeister Thorsten S, seit 1991 im Dienst, war bereits am 9. Oktober nach längerer Observation seiner Wohnung im Bezirk Reinickendorf festgenommen worden. Polizeiobermeister Michael B., seit 13 Jahren bei der Berliner Polizei, stellte sich am Sonntag morgen seinen Kollegen. Die beiden tatverdächtigen Beamten haben bisher zur Sache keine Aussage gemacht. Nach wie vor fehlt jeder Hinweis auf das Motiv des Überfalls und den Verbleib des Schmucks.

Polizeipräsident Hagen Saberschinsky zeigte sich von seinen beiden ehemaligen Beamten sichtlich enttäuscht: "Die beiden Polizisten werfen ein schlechtes Licht auf die Berliner Polizei."