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Autofreies Wohnen ­ Berlin im Rückwärtsgang

Chancen für autoarme Wohngebiete sinken / Projekt Rummelsburger Bucht jetzt auch gescheitert

Stefan Ehlert

Ich bitte Sie, vom Planungsziel autoarmes Wohnen endgültig Abstand zu nehmen." Mit dieser internen Anweisung hat Staatssekretär Ingo Schmitt von der Senatsbauverwaltung einen Schlußstrich unter das Projekt "Autoreduzierte Eldenaer Straße" gezogen. Etwa 5 000 Bewohner der 50 Hektar großen Siedlung hätten dort ohne Abgase und Motorenlärm leben können. Doch die Führung der Senatsbauverwaltung verweist "nachhaltig auf "Vermarktungsprobleme im freifinanzierten Wohnungsbau". Außerdem sei es in einigen Gebieten unbezahlbar, die autofreien Zonen an den Nahverkehr anzuschließen.

"Es fehlt einfach der politische Wille", sagt dagegen unter der Hand ein Behördenplaner. Nach Schmitts Anweisung haben die Befürworter autofreier Wohngebiete in Berlins Bauverwaltung resigniert. Insgesamt fünf Neubaugebiete hatte die Senatsbauverwaltung dafür vorgesehen, als Wolfgang Nagel (SPD) noch Bausenator war. Inzwischen sind lediglich in der Gartenstadt Falkenberg in Treptow noch zwei Wohnblocks für autoreduziertes Wohnen geplant.

Auch der Verkehrsausschuß in Friedrichshain hat sich von einer autoarmen Zone auf der Halbinsel Stralau verabschiedet. Man könne das Grundstück nicht vermarkten, so Gunnar Pantel vom Entwicklungsträger Rummelsburger Bucht. Wenn nicht für jede geplante Wohnung mindestens ein Parkplatz zur Verfügung stünde, würden die Investoren nicht anbeißen.

Dabei gibt es durchaus Interessenten, die ohne Auto leben wollen und sich eine entsprechende Wohnung kaufen würden. Markus Böttcher von der Gesellschaft "Autofrei Wohnen" hat in den vergangenen Jahren schon über 800 Interessenten zusammengetrommelt. "Doch es tut sich nichts", klagt Böttcher. Ein autofreier Wohnblock allein reicht ihm nicht: "Eine verkehrsumspülte Insel? Da kann ich ja gleich in einen Hinterhof ziehen." Der lärmgeplagte Polizeibeamte hofft nun auf das Neubauviertel Biesdorf-Süd in Marzahn. Doch auch dort macht die federführende Bauverwaltung den Auto-Asketen kaum Hoffnung: "Da passiert noch gar nichts." "Die Nachfrage fehlt", sagt eine Sprecherin des Bauträgers Baugrund.

In anderen Großstädten sind die Planer weiter: In Hannover, Bonn, Münster und Kassel liegen "konkrete" Pläne auf dem Tisch. Bremen, Tübingen, Amsterdam und Wien bauen bereits Wohngebiete, in denen Autos tabu sind. In Hamburg hat ein Vermieter mitten in der Stadt ein Altbauviertel zur autofreien Zone erklärt.