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Klaus Wolf

NÜRBURGRING, 25. September. Es ist ein Jubiläumsrennen, doch Michael Schumacher ist nach Feiern (noch?) nicht zumute. Dem 100. Grand Prix des zweimaligen Weltmeisters kommt vorentscheidende Bedeutung im Kampf um den WM-Titel zu. Auch wenn Schumacher dies öffentlich negiert. "Ich spüre keinen besonderen Druck, es ist kein anderes Rennen als sonst", verkündet der Kerpener.

Leicht verschnupft, im grauen Rollkragenpullover, sitzt er vor der Presse, bindet sich einen dicken Schal um, als er ins Freie tritt. Nach dem letzten Lauf auf dem A1-Ring im österreichischen Zeltweg erwischte ihn eine Grippe mit hohem Fieber. Ungünstige Vorzeichen beim Heimspiel auf dem Nürburgring, der diesmal unter dem Namen Großer Preis von Luxemburg firmiert. Die 120 000 Zuschauerplätze sind seit Monaten ausverkauft, der übergroße Teil kommt wegen Schumacher. "Ich weiß, daß die Fans viel von mir erwarten."

Der Ring liegt im strahlenden Sonnenschein, die erste Ferraristis in ihren roten Anzügen mit dem springenden Pferd und den adäquaten Fahnen bevölkern bereits die Strecke. Überall große Zuversicht. Dabei ist Schumachers einst komfortabler Vorsprung von 14 Punkten zu Jacques Villeneuve auf einen Zähler geschrumpft. "Der eine Punkt ist wenig. Ich setze alles daran, ihn zu verteidigen", so Schumacher. Etwas ratlos ist der 28jährige schon, warum es wieder so knapp in der WM-Wertung geworden ist. "Mitte der Saison waren wir ganz stark. In Magny-Cours, in Silverstone (wo er wegen eines technischen Defekts ausschied d. A.), auf dem Hockenheim. Aber in den beiden letzten Rennen lief das Auto nicht mehr wie gewünscht." Schumacher möchte jedoch seinen Arbeitgeber nicht verärgern, fügt hinzu: "Wir haben auf einer schlechten Grundlage viel getan. Aber alles können wir nicht machen."

Ende Juli, nach dem zweiten Platz auf dem Hockenheimring, gab Manager Willi Weber bereits T- Shirts mit dem Weltmeister-Aufdruck in Arbeit. Vielleicht etwas verfrüht, denn der Williams-Rennstall hat in den letzten Wochen das Auto verbessert, während Ferrari scheinbar nichts mehr zum Zulegen hat. "Wir haben ein gutes Auto. Es wird ein harter Fight", meint auch Frank Williams und strahlt in seinem Rollstuhl Gelassenheit aus. Viel hängt schon vom Zeittraining ab, in dem die Ferraris zuletzt schwach abschnitten. Denn der 4,556 km lange Kurs bietet nur wenig Überholmöglichkeiten. "Ich brauche einen besseren Startplatz als den neunten", spielt Schumacher auf den jüngsten Einbruch in Zeltweg an. Nach dem Nürburgring-Rennen kommen nur noch die Läufe in Suzuka (12. Oktober) und im spanischen Jerez de la Frontera (26. Oktober). Dann ist der Champion gekürt. Wird es wieder so knapp wie 1994, als Schumacher mit einem Punkt vor Damon Hill ins Saisonfinish in Australien ging und beide dann nach einer Kollision ausschieden? "Es kann sein", lautet Schumachers lapidare Antwort.