Schon bald könnte Strom über globale Netze in große Teile der Welt geliefert werden. Diese Ansicht vertrat der Energieexperte Hans-Jürgen Haubrich gestern auf einer Fachtagung der Stromwirtschaft in Berlin.
Weltumspannende Leitungen seien heute technisch möglich. Ob sie gebaut würden, hänge vom politischen Willen und den finanziellen Möglichkeiten der Teilnehmerländer ab. Hohe Versorgungssicherheit und die Möglichkeit, die wirtschaftlich günstigste Energiequelle anzuzapfen, seien bedeutende Vorteile großer Netze, sagte der Aachener Professor.
Bereits heute sind in Europa drei große Stromnetze miteinander verknüpft. So können Westeuropa, Skandinavien und Großbritannien einander Strom liefern. Der Verband Deutscher Elekrotechniker (VDE) erwartet nun eine Ausdehnung des Verbundes nach Osten. Dadurch könne ein Großverbund entstehen, der von Portugal im Westen bis zur Beringstraße im Osten Rußlands reiche.
In einem solchen Verbund benötigten die einzelnen Partner weniger Stromreserven. Heute müßten beispielsweise westeuropäische Stromunternehmen 2,5 Prozent ihrer Gesamtleistung bereithalten, um einen plötzlichen Kraftwerksausfall sofort kompensieren zu können. In einem Größtverbund könne die Reserve weit geringer sein. Dies spare Kosten, erläuterte der VDE.
Die Fachtagung, die der VDE gemeinsam mit der amerikanischen Power Engineering Society veranstaltet, läuft noch bis Donnerstag. 1 200 Fachleute diskutieren Techniktrends in der Energieerzeugung, dem weltweiten Stromtransport und bei der Versorgungsqualität. Auch der Strukturwandel in der Elektrizitätswirtschaft ist Thema des Kongresses.