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Postler protestieren gegen Bonner Gesetzentwurf

Rund 3 500 Angestellte demonstrierten auf dem Alexanderplatz / Angst vor Verlust der Arbeitsplätze

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Berlin war am Sonnabend ein Schwerpunkt der Protestaktionen der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) gegen eine weitgehende Aufhebung des Postmonopols und drohende Arbeitsplatzverluste. Rund 3 500 Postler beteiligten sich an der Kundgebung auf dem Alexanderplatz. 30 von 170 Postfilialen in Berlin hatten ab zehn Uhr geschlossen.

Weiße Plastikumhänge mit der Aufschrift "Wir wehren uns" trugen viele der Kundgebungsteilnehmer. Mit lautem Hupen und Rufen begleiteten sie jede Hiobsbotschaft des Redners Helmut Jurke, Chef der DPG Brandenburg. 100 000 Arbeitsplätze seien bundesweit in Gefahr, könne sich die FDP mit ihrer Forderung durchsetzen, das Briefmonopol bereits im kommenden Jahr aufzuheben. Hupkonzert. Die Post AG solle der privaten Konkurrenz ihre gesamte Infrastruktur öffnen. Buhrufe. Die Stellen der Arbeiter und Angestellten in Ostdeutschland seien bedroht, während die Beamten aus dem Westen ihren Arbeitsplatz behalten könnten. Rufe, Hupen, Fahnenschwenken.

"Wettbewerb ist ja gut und schön", so ein Briefträger aus Wilmersdorf, der direkt vom Dienst zu der Kundgebung gefahren war, "aber die Privaten werden sich die Rosinen rauspicken." Alle wollten in die Ballungsgebiete, an dünnbesiedelten Gebieten habe doch keiner Interesse. "Der Generalstreik ist nicht mehr weit", sagte ein Kollege. "4,7 Millionen Arbeitslose - irgendwann geht das ganze Land auf die Straße."

Nach der Kundgebung diskutierten viele Postler bei Kaffee und Tee auf dem Flur der Filiale am Alexanderplatz. "Bei uns arbeiten jetzt schon zwei Drittel mit befristeten Verträgen", so Briefsortiererin Gisela Betzel. "Die kriegen kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld, das kommt natürlich billiger." Mit 53 würde sie in Rente gehen, wenn es sein müßte, sagte die Mutter von fünf Kindern. Aber nicht jetzt schon, da wären die Bezüge zu niedrig. Das könne sie sich nicht leisten, zumal ihr Mann arbeitslos sei.

Peter Pätzold, Briefträger im Wedding, sieht nicht zum ersten Mal seinen Arbeitsplatz bedroht. Der gelernte Seemann verlor seinen ersten Posten, als die Schiffahrt Stellen abbaute. Zurück in Berlin arbeitete er bei der BVG, wo er "wegrationalisiert" wurde. Jetzt ist er seit eineinhalb Jahren bei der Post und bangt schon wieder. "Ich bin 36 Jahre alt", sagt er. Aber auf dem Arbeitsmarkt zähle er langsam zum alten Eisen. "Unsere Kinder sind doch schon arbeitslos, bevor sie was gelernt haben", sagte Gisela Betzel.

Die am Sonnabend liegengebliebenen Briefe und Päckchen werden heute zugestellt. Ebenfalls heute werden tausende Postler aus dem gesamten Bundesgebiet zu einer Demonstration gegen den Gesetzentwurf zur Post in Bonn erwartet. +++