Fensterrahmen verfaulen, Wände bekommen Risse, Gülle aus undichten Rohren der Sickergruben läuft in den Keller. Die Beschwerdeliste der Bewohner der Siedlung Neu-Jerusalem ist lang. Auf einem Treffen in der Linden-Grundschule an der Staakener Feldstraße 25 machten sie Mittwoch abend ihrem Ärger Luft.
Die Spandauer Abgeordnete Ruth Mekelburg (SPD) hatte eingeladen. Den Vertretern der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW), die die Häuser in West-Staaken an der Heerstraße und am Nennhauser Damm seit dem 3. Oktober 1990 verwaltet, schlug der Frust der Anwohner entgegen. "Sie tun nichts an unseren Häusern", rief ein Neu-Jerusalemer, "die in Ihrer Zentrale wissen ja nicht einmal, wo unsere Siedlung liegt." Eine Mieterin empfahl, die Häuser abzureißen - zu retten sei ohnehin nichts mehr.
In den 1923 bis 1925 erbauten 42 Haushälften wohnen 83 Mietparteien. Manche Gebäude sehen aus, als sei in den vergangenen 70 Jahren nichts saniert worden. Die Fassaden sind ohne Isolierung, der größte Teil der Häuser ist nicht an die Entwässerung angeschlossen. Die meisten Wohnungen enthalten keine Bäder, in vielen gibt es nur einfache Fenster. Die GSW schätzt die Sanierungskosten auf neun Millionen Mark. Doch ihr sind als Verwalterin die Hände gebunden. "Wir können nicht mehr Geld ausgeben, als wir an Miete einnehmen", erklärte Dietmar Bock, Prokurist für Bestandsmanagement der GSW. "Wir haben sechs Jahre lang jeden Pfennig der Einnahmen investiert." Eigentümer der Häuser ist das Land Berlin. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Denn neun Grundstücke sind mit Rückübertragungsansprüchen belastet, über die das Verwaltungsgericht entscheiden muß. Sollte dies geklärt sein, ist die GSW an einem Kauf der Siedlung interessiert. Dietmar Bock und Ruth Mekelburg versprachen aber, bei Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) zusätzliches Geld für die Siedlung zu fordern - angesichts leerer Kassen ein schwieriges Unterfangen.
Die Mieter wollten jedoch konkrete Zeitabläufe genannt bekommen: "Wann gibt es endlich neue Fenster?" fragte eine Frau. "Bei uns war zweimal ein Handwerker. Der hat gesagt, er faßt die Rahmen nicht mehr an." Dietmar Bock konnte keine Zusagen machen: "Mit unserem wenigen Geld muß alles Flickschusterei bleiben." Mehrere Anwohner beklagten sich, daß ihr Engagement verhindert werde. So sei der Einbau einer Badewanne auf eigene Kosten mit der Begründung abgelehnt worden, das Wasser könne überlaufen und in die darunterliegende Wohnung tropfen. Die GSW-Mitarbeiter versprachen, die Anträge auf bauliche Veränderungen so schnell wie möglich zu bearbeiten und an das Bauamt weiterzuleiten. +++