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KOPF DES TAGES

Gulbuddin Hekmatjar Kriegsherr und Premier in Kabul

Er redet mit sanfter Stimme und lächelt meist, auch wenn er das Todesurteil über einen Gegner spricht. Hemmungslose Machtgier und Brutalität sind die hervorstechendsten Merkmale des sunnitischen Gotteskämpfers Gulbuddin Hekmatjar. Seit Ende vergangener Woche steht er als Premier an der Spitze einer Übergangsregierung in der Trümmerwüste von Kabul.

Der 46jährige, einer der gefürchtetsten Kriegsherren Afghanistans, entstammt einer paschtunischen Bauernfamilie aus der Nord-Provinz Kunduz. Während seiner Studentenzeit in Kabul tat er sich an der Technischen Universität nicht durch Bildungsdrang, wohl aber durch fundamentalistischen Eifer hervor. Anfang der 70er Jahre wurde er relegiert - er hatte Studentinnen, die keinen Schleier tragen wollten, mit Säure attackiert.

1972 kam Hekmatjar für seine militant-islamistische Propaganda neun Monate ins Gefängnis. Amerikanischen Geheimdienstquellen zufolge soll er ursprünglich von der kommunistischen Bewegung in islamische Kreise eingeschleust worden, dann aber übergelaufen sein. 1975 mußte er Afghanistan verlassen, da er den inzwischen herrschenden "roten Prinzen" Daud genauso heftig angriff wie zuvor den gestürzten König Zahir.

In Pakistan, wo er mit offenen Armen aufgenommen wurde, gründete der schwarzbärtige Turbanträger die Hisb-e-Islami (Islamische Gesellschaft). Nach der Machtübernahme des Kommunisten Najibullah in Afghanistan 1978 und dem Einmarsch der Sowjets ein Jahr später flossen die Mittel in Hekmatjars Kriegskasse reichlich, unter anderem auch aus den USA. Seine Organisation wurde zur schlagkräftigsten Guerilla-Fraktion des mit äußerster Brutalität tobenden Bürgerkrieges.

Um sein Ziel, die Macht in Kabul und über den florierenden Opiumhandel, zu erreichen, scheute Hekmatjar vor keinem Frontenwechsel, vor keinem Verbrechen zurück. Im Sommer 1989, nach dem Abzug der sowjetischen Truppen, ließ er 36 Kommandeure der Tadschiken-Miliz seines Rivalen Masud ermorden. Nach dem Sturz Najibullahs 1992 wurde er schon einmal als Premier in eine Koalitionsregierung unter Präsident Rabbani berufen. Hekmatjar trat dieses Amt nicht an, sondern begann mit der Belagerung Kabuls. Jetzt haben ihn die vorrückenden Taliban-Milizen aus seinen Stellungen in die Arme Rabbanis getrieben.Wolfgang Georgi +++