Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den schon Albert Schweitzer, Martin Buber und Ernst Bloch erhielten, wird am 6. Oktober an den peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa verliehen.
Er wollte einmal Präsident seines Heimatlandes Peru werden. Doch seit Vargas Llosa 1990 die Wahl an den Außenseiter Alberto Fujimori verlor, hat sich der vielfach ausgezeichnete Autor von Romanen, Erzählungen, Essays und Theaterstücken aus der Politik seines Landes zurückgezogen. Nicht, daß damit die Politik aus seinem Leben verschwunden wäre. Vargas Llosa äußert sich, wo er kann: in Essays, Artikeln, Interviews - und nicht zuletzt auch in seinen Romanen. "Romane", sagt er, "werden nicht geschrieben, um das Leben zu erzählen, sondern um es zu verändern."
Ein Streit, wie ihn sich der Börsenverein letztes Jahr mit der Verleihung des Friedenspreises an Annemarie Schimmel eingehandelt hatte, ist diesmal nicht zu erwarten. Vargas Llosa genießt weltweites Renommee und steht fest auf dem Boden abendländischer Grundwerte. An seinem Abscheu gegen Gewalt hat er nie einen Zweifel gelassen. Von diesem Thema handelt auch sein letzter Roman "Tod in den Anden". Dort bringt Vargas Llosa die Gewalt der Terroristen des "Leuchtenden Pfades" mit archaischen Ritualmorden der indianischen Ureinwohner in Verbindung.
Der Börsenverein begründet seine Entscheidung mit Vargas Llosas "ungewöhnlicher Zivilcourage": "Für ihn ist Frieden nicht allein eine Sache guten Willens, sondern erkennbarer und benennbarer Bedingungen."
Vargas Llosa scheut nicht die Kontroverse darüber, was diese Bedingungen seien: Sein politisches Vorbild ist Margaret Thatcher, die "Eiserne Lady". Erst kürzlich brüskierte er auch ihm politisch Nahestehende, als er die "lateinamerikanischen Idioten" attackierte, die seinen radikalen Wirtschaftsliberalismus nicht teilten. Der Börsenverein hat gezeigt, daß er aus der heftigen Debatte um Annemarie Schimmel nicht die falschen Lehren gezogen hat: Nicht "political correctness", sondern die Anerkennung politischen Muts und moralischer Integrität haben bei dieser Entscheidung den Ausschlag gegeben. +++