Olympischen Geist bewies der Berliner Physikprofessor, Weltraumfahrer, Abenteurer, Fluchthelfer, Bruchpilot und CDU-Wahlmann Reinhard Furrer weniger, als er einmal bedauerte: "Es gibt leider immer nur erster, größter, dickster " Er war der dritte Deutsche im All. Oder gar nur der vierte? Zur Erbauung mancher Talkrunde wurde immer wieder mal "gestritten", ob er oder sein Kollege Messerschmid es war. Die beiden saßen am 30. Oktober 1985 in derselben Raumfähre, und die Plazierung hängt davon ab, wessen Sessel als erster die Erdatmosphäre verließ.
Berlin war stolz, den Astronauten in der Stadt zu haben. Zur Bundespräsidentenwahl 1994 stellte ihn die Berliner CDU gar als Wahlmann auf, den Mann, der erfolgreich "über, auf und unter der Erde" gewesen sei, wie es einmal hieß. Die merkwürdige Anspielung bezog sich auf den Tunnel unter der Berliner Mauer, den Furrer 1964 als Student mit Freunden gebuddelt hatte und 57 Menschen die Flucht ermöglichte. Als das Ganze aufflog, "schossen Stasi-Agenten und Soldaten sofort los, und wir schossen zurück", berichtete Furrer in einer seiner seltenen Äußerungen dazu. Lieber sprach er, wo immer es ging, über den Nutzen der Raumfahrt.
Als 1976 die Europäische Weltraum Agentur ESA Wissenschaftler für Experimente im All suchte, war er einer unter 800 deutschen Bewerbern. Gesucht waren vor allem flexible Wissenschaftler. Und das war der 1940 in Tirol geborene Furrer. Er hatte in Kiel und Berlin Physik studiert, wurde 1974 Assistenzprofessor an der Freien Universität Berlin (FU), hielt Gastvorlesungen in den USA, war begeisterter Hochseesegler und schließlich 1985 Mitglied der ersten deutschen Weltraummission D 1.
Danach war der Junggeselle Professor für Weltraumwissenschaft an der FU und führte sein weltbekanntes privates Weltraum-Institut.
Wie so viele Raumfahrer, konnte auch er das Fliegen nie lassen, arbeitete als Berufspilot und Fluglehrer. Seine Leidenschaft zum Fliegen kostete ihn bei einer Bruchlandung 1990 auf dem Flughafen Kassel ein paar Blessuren und 12 000 Mark Strafe - jetzt das Leben. +++