Königs Wusterhausen.
Es klapperte die Mühle am rauschenden Bach, sprich Mühlengraben in Königs Wusterhausen. Es ist heute kaum vorstellbar, daß sich hier zwischen uralten Bäumen der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. mit Hilfe eines Rollstuhls in die Natur schieben ließ, als ihn Rheuma und Wassersucht plagten.
Fast 220 Jahre später war von dieser Schloßparkidylle nichts mehr zu spüren. In den 50er Jahren betrieb die Rote Armee hier eine Schweinezuchtanlage.
An der heute verfallenen Getreidemühle am Mühlengraben spielte sich einst ein reges Handwerksleben ab. Wenn auch wurmstichig und vermodert: Die Reste der Mühlenfließbrücke sind erhalten geblieben.
Früh besiedelt
Archäologische Funde, die 1950 bei der Entschlammung des Mühlenfließes zutage kamen, zeugen von einer frühen Besiedlung der Notteniederung an dieser Stelle. Die 15 Zentimeter lange durchlochte Hacke, ein sogenannter Schuhleistenkeil, wurde zur Bestellung der Äcker verwendet. Ein zweites Fundstück - eine Art Axthammer - ist wie die Hacke aus Felsgestein.
Neben dem Schloß war die Mühle eines der ältesten Bauwerke in Königs Wusterhausen. 1366 wurde sie erstmals erwähnt. Zum Mühlengrundstück zählten viele Ländereien. Auch auf dem Mühlenberg, dem jetzigen Funkerberg, stand eine Windmühle, die 1865 abgerissen und an den Mühlenbesitzer Zacharias nach Teupitz verkauft wurde.
Die Brücke am Nottefließ durfte vor rund 280 Jahren niemand passieren, ohne dafür ein Brückengeld an den jeweiligen Erbmüller zu zahlen. Der war im Besitz der königlichen Vollmacht, war aber gleichzeitig dazu verpflichtet, die Brückenanlagen instand zu halten.
Doch wandernde Leineweber aus Sachsen und dem Spreewald hatten oft wenig Geld. So schwammen sie bei Dunkelheit heimlich über das Nottefließ. Ihre Webwaren ließen sie auf einem Floß vor sich hertreiben. Auch für das Vieh mußte Brückenzoll entrichtet werden. Eine solche Zollverordnung ist noch erhalten geblieben und liegt im Heimathaus Prieros aus. Für ein Schwein mußte der Bauer auch in Wusterhausen zwei Pfennige berappen.
Um 1827 war Familie Hayland Erbmüller. Diese Familie übte ihr Brückenrecht "fleißig und ehrlich aus", steht in einer Aktennotiz aus jenen Jahren. Doch im gleichen Jahr war es zu einem Streit gekommen. Das Rentamt Krausnick war verärgert, daß die dortigen Dorfbewohner das Brückengeld zahlen mußten, während die Anwohner vom Rentamt Wusterhausen frei passieren durften. Es soll zu einem Prozeß gekommen sein, von dessen Ausgang nichts überliefert wurde.
Als 1856 die Notte reguliert wurde, mußten alle am Nottefließ gelegenen Wassermühlen vom "Komitee zur Regulierung der Notte" aufgekauft werden. Verkauft bzw. ausgetauscht wurden auch sämtliche zur Mühle gehörenden Ländereien, so daß bei der Mühle nur die Gebäude und der Hausgarten blieben. Dieses Restgrundstück kaufte der Mühlenbesitzer Großkopf aus Gräbendorf 1859 für 5 000 Taler.
Öl direkt vom Müller
Durch die Tieflegung des Nottefließes wurde ein Umbau der Mühle erforderlich. Ein Wagnis, weil keiner vorhersagen konnte, wie sich die Wasserverhältnisse des neuen Flußbettes gestalten würden. Aber alle Befürchtungen waren unbegründet. Gretchen Heller aus der Berliner Straße erinnert sich noch daran, daß sie als Kind jede Woche frisches Öl und Mehl direkt beim Müller kaufte.
Vorerst scheint das Rad der Mühlengeschichte zum Stillstand gekommen zu sein. Verblichen sind die Worte "VEB (K) Kreismühlenbetrieb" am bröckelnden Putz zu lesen. Und der Mahlstein zwischen der alten Toreinfahrt der Wannenbadeanstalt und der Buchhandlung wurde vor Jahren einbetoniert.