"Igitt!" Als Gisela Blauert das Licht in der Teeküche anknipst, krabbeln blitzschnell zwei bräunliche Insekten hinter die Spüle - Schaben. Die Bürokauffrau greift zur chemischen Keule: Sie sprüht Haarspray in alle Ritzen. "Das hätten wir", denkt sie, als sich der Nebel verzogen hat. "Das war dumm", sagt dagegen Thomas Voigt vom Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband ein paar Wochen später. Vom zweiten Stock haben sich die Schädlinge nämlich in sämtliche andere Etagen des Bürohochhauses verteilt.
Anders als etwa Fliegen oder Motten ist Schaben mit "Hausmitteln" nicht beizukommen. Die Schädlinge sind hart im Nehmen. Sie krabbeln schon seit rund 300 Millionen Jahren über die Erde - und werden es wohl noch tun, wenn der letzte Mensch vom Planeten verschwunden ist. Bei uns kommt die bräunlich-gelbe, sogenannte Deutsche Schabe am häufigsten vor.
Nachtschwärmer
Tagsüber leben die bis zu 1,3 Zentimeter langen Insekten mit den langen Fühlern versteckt in Ritzen, Spalten oder Rohren. Nachts gehen sie auf Futtersuche. Am liebsten sind ihnen feuchte Nahrungsmittel, zur Not tun sie sich aber auch an Stoff, Papier oder Leder gütlich. Die Insekten sind nicht nur unappetitlich, sondern können auch Krankheitskeime übertragen. Um Schaben herauszubekommen, ist ein Experte nötig - und meist Gift.
Doch Insektenvertilgungsmittel, besonders die sogenannten Pyrethroide, sind in Verruf geraten. In Hamburg wurden Teile einer Siedlung durch das Gift unbewohnbar. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin rät Laien, generell die Finger von solchen Mitteln lassen. Einer amerikanischen Studie zufolge erhöhen pestizidhaltige Streifen gegen Fliegen in Wohnungen das Risiko von Leukämie bei Kindern auf das zweieinhalb- bis dreifache.
Auftraggebern von Kammerjägern rät der Naturschutzbund Deutschland, auf möglichst unbedenkliche Verfahren zu bestehen. Es gebe Experten, die auch ohne Gifteinsatz Erfolgsgarantien gäben. Thomas Voigt plädiert für "integrierte Schädlingsbekämpfung", das heißt, sowenig Gift wie möglich. Er gibt ein Beispiel: "Mäuse sind sehr neugierige Tiere; so läßt sich die Hälfte des Befalls mit Mausefallen erledigen, bevor sie mißtrauisch werden." Nur für den Rest seien vergiftete Köder nötig.
Die von Natur aus scheuen Ratten fallen dagegen auf primitive Fallen nicht herein. Zu allem Überfluß sind sie mittlerweile auch gegen viele Gifte resistent. Die begabten Nager können 70 Zentimeter hoch springen, rauhe Wänden senkrecht hochklettern und sich durch Rohre mit drei Zentimeter Durchmesser quetschen. "Ich habe schon Ratten im zehnten Stock gefunden", sagt Voigt. Ratten und Mäuse sind auch für jeden fünften Brand verantwortlich, so schätzen Experten. Sie nagen nämlich an Kabeln, um ihre Zähne zu schärfen - so entstehen Kurzschlüsse.
Vierbeinige Helfer
In Städten bleiben Ratten meist in der Kanalisation. Oft treibt sie nur Hochwasser aus der Unterwelt. Um Ratten nicht anzulocken, sollten keine Lebensmittelreste ins Klo geschüttet werden. Eine gewisse abschreckende Wirkung haben Katzen. "Allerdings nicht domestizierte Haustiger", sagt Birgit Mehlhorn, Mitautorin eines Buches über Schädlinge. Robuste Tiere vom Bauernhof seien besser geeignet als Kammerjäger.
Ohne vierbeinige Hilfe sind harmlose Untermieter wie Silberfische zu bekämpfen. Sie brauchen viel Feuchtigkeit, so daß gutes Lüften ihnen oft schon den Garaus macht. Die Tierchen lassen sich auch durch ein feuchtes weißes Tuch mit etwas Gips darauf anlocken. Dort sammeln sie sich und können einfach ausgeschüttelt werden.
Bier schreckt Brummer
Gegen Fliegen und Mücken schützen Gaze vor den Fenstern oder ein Moskitonetz beim Schlafen. Lavendel und Zitronenmelisse im Blumenkasten oder ein Glas Bier auf der Fensterbank schrecken dicke Brummer ab. Mücken mögen keine ätherischen Öle. Wer eine Ameisenwanderung in seine Wohnung unterbinden will, sollte Zitronensaft oder Zimt auf die "Straße" gießen. Das Einfallstor der Ameisen sollte außerdem mit Gips oder doppelseitigem Klebeband verschlossen werden.
Kleidermotten lassen sich oft von Lavendelblüten oder Zedernholzöl im Schrank beeindrucken. Hartnäckiger sind ihre Lebensmittel fressenden Verwandten. Kriechen Larven in der Speisekammer herum, müssen alle befallenen Lebensmittel weggeworfen werden. Anschließend heißt es, mit Seifenlauge gründlich zu putzen.
Hausstaubmilben, kleinste Lebewesen, die von menschlichen Hautschuppen leben, sind vor allem für Allergiker ein Problem. Die Ausscheidungen der Tierchen können zum Beispiel Asthma auslösen. Die Milben leben vor allem in Teppichböden und Betten. Sie brauchen zwischen 20 und 30 Grad Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wer gut lüftet, seine Wäsche bei 60 Grad wäscht, Betten und Matratzen draußen Sonne und Kälte aussetzt, tötet die Tiere ab. Danach sollten die Überreste sorgfältig abgesaugt werden.
Gefährlicher als solches Ungeziefer sind unnötige Panik und der Griff zur chemischen Keule. Vieles, was bei uns durch Küche und Keller kreucht und fleucht, ist zwar unappetitlich, aber nicht lebensgefährlich. Ganz andere Probleme haben unsere Nachbarn in Südeuropa. Dort sind nicht nur die Schaben fetter, sondern es lauert schon mal eine "Schwarze Witwe" unter dem Toilettendeckel. Deren Stich kann tödlich sein. +++