Retro-Tour
DDR-Kind rockt alte Ost-Musik
25-Jährige singt ostdeutsche Rock- und Pop-Musik neu und tourt ab April
Von Beatrice George
Suse Jank (25) ist in der DDR groß geworden.
www.susejank.com
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Potsdam - Die Berliner Sängerin Suse Jank kennt DDR-Bands wie "Silly" oder "Renft" nur von den Amiga-Schallplatten ihrer Mutter. Und um selbst zu erfahren was es bedeutete, zu Zeiten des SED-Staates als Band öffentlich auf einer Bühne zu stehen, dafür war sie damals noch zu jung. Jetzt hat die heute 25-Jährige mit ihrer Band ostdeutsche Rock- und Pop-Musik aus Vor-Wende-Zeiten neu interpretiert und tourt ab April unter dem Motto "Ehrt man die Rose noch?" mit der Musik und Vorträgen dazu durch zehn Städte.
Dabei geht es 20 Jahre nach dem Mauerfall vor allem um die Aufarbeitung der DDR-Unterhaltungskunst mit all ihren Zwängen und Auflagen. Mit Zeitzeugenberichten, wissenschaftlichen Erklärungen und historischen Fotos aus dem DDR-Kulturalltag wollen Mutter und Tocher auf der Bühne in einen "Dialog der Generationen" treten und sich "kritisch mit der Musik auseinandersetzen", sagt Suse Jank.
Rockröhre Tamar Danz 1987 bei einem Konzert mit ihrer Gruppe Silly in Berlin.
Uhlemann
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Alten Songs neues Gewand geben
Veranstalter der Konzertreise nach Hamburg, Rostock, Leipzig und Würzburg ist die Universität Potsdam. Am dortigen Institut für Musik und Musikpädagogik arbeitet Mutter Birgit Jank. Sie besitzt nicht nur die Plattensammlung, die Suse Jank als Kind zu hören bekam, sondern hat sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der DDR-Musikkultur beschäftigt. "Daraus entstanden ist ein umfangreiches Archiv zur DDR-Musikpädagogik", sagt Suse Jank. Sie werde zu der Musik die Vorträge halten.
Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, den Landeszentralen für politische Bildung der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie dem brandenburgischen Kulturministerium. Schirmherr ist Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). Vor zwei Jahren kam Suse Jank die Idee, den alten Songs ein neues Gewand zu geben. Dabei habe eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Texten, Musik und Biografien der Künstler stattgefunden, die nicht einfach gewesen sei. Beispiel Liedermacher Gerhard Gundermann: "Ich habe seine Musik geschätzt und fand dann heraus, dass er Stasi-Mitarbeiter war und sich dann später wieder davon distanziert hat", sagt Suse Jank.
Hartmut und Roland Leisegang, Spatz Sperlin, Ulle Sende und Ralf Benschu von der Ost-Band Keimzeit.
Archiv
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Synthesizer-Klänge werden durch Gitarren und Streicher ersetzt
Mit solchen Fakten soll auch das Publikum bei den Konzerten zum Mitdiskutieren angeregt werden. "Das wird sicher in den alten Bundesländern besonders spannend, da das Publikum dort nicht von dieser Musik geprägt ist", schätzt die Musikerin. Ob in Ost- oder West-Deutschland: Mit Konfrontationen, Vorurteilen und vielen Fragen rechne das Projektteam bei allen Auftritten.
Auf die Publikumsreaktion zu ihren Songs ist Suse Jank außerdem gespannt: Aus Petra Ziegers Lied "Katzen bei Nacht" hat ihre Band die Synthesizer-Klänge durch Gitarren und Streicher ersetzt. Dass dieser Song bereits 1986 entstanden ist, ist nun nicht mehr zu hören. Auch den "Silly"-Song "SOS" haben Suse Jank und Band neu interpretiert. Dies jedoch genauso kraftvoll wie 1990 von Tamara Danz und ihrer Band.
Auftakt der Tour ist am 8. April (19.00 Uhr) im Potsdamer T-Werk an der Schiffbauergasse.
Berliner Kurier, 13. August 2009
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