Berlin - Die Vorfälle rund um die Postfirma Jurex werden immer bizarrer: Gestern entdeckte man nahe des Mariendorfer Verteilerzentrums eine Kiste voller Briefe - in einem offenen Müllschuppen. Die Polizei rückte an.
Stephan Grun (42), Ex-Mitarbeiter der Firma, arbeitet heute in der Nachbarschaft der "Jurex mail Berlin": "Gegen 11 Uhr wollte ich meinen Müll in den Container werfen, da sah ich links die rote Kiste stehen."
Er informierte ehemalige Kollegen. Sofort rückten Betriebsrat und ein Vertreter der Gewerkschaft an. Der rief die Polizei. In der Kiste waren Briefe mit dem Stempel des Vortages: Post von Versicherungen, aber auch Privatleuten, darunter wohl eine Geburtstagskarte. Ob Geld im Umschlag war, ist unklar. Genau wie die Frage, wer die Kiste im Schuppen abgestellt hat. Das Häuschen hat keine Tür, zwei bis drei Mal die Woche holt der Entsorger den Müll ab.
Der Fund sorgte vor allem deshalb für große Aufregung bei den Arbeitnehmervertretern, weil erst am Freitag 100 Zusteller der Betriebstochter Jurex Berlin ihren letzten Arbeitstag hatten (KURIER berichtete). Norbert Lüer, Chef der Unternehmensgruppe, begründete die Kündigungen mit dem Verlust eines Großauftrages der Berliner Landesverwaltung. Zu wenig Aufträge also? Daran mag Benedikt Frank von der Gewerkschaft Ver.di nicht glauben: "Bei der einen Tochterfirma werden 100 Festangestellte entlassen und bei der anderen, wo Hungerlöhne gezahlt werden, gibt es so viel Arbeit, dass die Post sogar auf dem Müll landet."
Selbst wenn die Kiste nicht von einem chronisch-überarbeiteten Mitarbeiter dort deponiert wurde, sondern aus anderen Gründen - "dass Geburtstagsbriefe beim Müll landen, kann ich nicht verstehen", so Finder Stephan Grun.
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