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Er will Nazis im Reagenzglas züchten

NIEDERSACHSEN Rechter Jürgen Rieger kaufte Landgut

Dörverden - Ein ganzes Dorf in Aufruhr: Im niedersächsischen Dörverden hat der bekannte Rechtsextremist Jürgen Rieger ein altes Landgut ersteigert. Der Anwalt ist Mitglied einer dubiosen Gruppe, die Arier züchten will.

255 000 Euro ließ Rieger für das idyllische 26 000-Quadratmeter-Grundstück mit Landgut im niedersächsischen Dörverden springen. Die Gemeinde ist gar nicht erfreut über den Zuwachs: Der wegen Volksverhetzung verurteilte Hamburger Anwalt gilt als führender Neonazi. 1995 kaufte er schon in Schweden einen Hof, um dort ein "germanisches Landkollektiv" für die "nordisch-blonde Rasse" zu gründen.

Das Gut "Heisenhof" hat Rieger nun für die ominöse "Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation" gekauft. Gemeindevertreter dachten, die Londoner Briefkastenfirma habe "mit Genmais oder Düngemitteln zu tun". Weit gefehlt: "Die Stiftung will kinderlosen Ehepaaren zu Nachwuchs verhelfen", so Rieger. Es liegt nahe, dass er dabei nach dem Muster des NS-"Lebensborn" vor allem arischen Nachwuchs im Sinn hat.

Es besteht aber Hoffnung, dass die germanischen Zuchtversuche in Dörverden im Keim ersticken. In Schweden scheiterte Rieger schon an einer simplen Zuchtaufgabe. Seine Gruppe wollte Gene der Schweinerasse "Linderödssvin" kreuzen. Doch die Tiere büxten aus, verwüsteten Gärten. Die Behörden straften ihn mit Tierhaltungsverbot.

LEBENSBORN // "Lebensborn" war ein Zuchtprogramm der Nazis. Der Verein diente der Erhöhung der Geburtenrate im Sinne der NS-Rassenideologie. SS-Angehörige und Frauen, die Merkmale wie "blond" und "blauäugig" nachwiesen, konnten in den Vereins-Heimen entbinden. Uneheliche Kinder wurden oft geheim von SS-Angehörigen adoptiert. Foto: Stefan Hesse


Berliner Kurier, 16. Juli 2004