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WO ES UM TIERE GEHT, WIRD JEDER ZUM NAZI

Schock-Werbung mit dem Holocaust: Darf man das wirklich? TIERSCHÜTZER wollen mit Plakat-Kampagne provozieren

Sarah Kramer

Berlin - Die Tierrechteorganisation Peta macht mit einer provokanten Kampagne auf sich aufmerksam: Werbeplakate zeigen jüdische KZ-Gefangene neben Hühnern und Schweinen in der Massentierhaltung.

"Holocaust auf Ihrem Teller" heißt die Wanderausstellung, die am Donnerstag auf dem Stuttgarter Schloßplatz und danach in elf weiteren europäischen Großstädten zu sehen sein wird. Kern der Peta-Kampagne sind acht Großplakate im Format zwei mal drei Meter. Auf der einen Bildhälfte sind jüdische Gefangene im Konzentrationslager abgebildet, auf der anderen in Käfige gepferchte Hühner oder Schweine. Damit will Peta auf die Ohnmacht der Tiere aufmerksam machen und an die Verantwortung der Menschen appellieren.

Für Wirbel sorgte die Aktion bereits im Vorfeld: Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, lehnte die Kampagne als "menschenverachtend" ab. Der Vergleich von KZ-Häftlingen und Zuchttieren sei "eine Beleidigung der Opfer". Auch Folko Niebelschütz von der Tierschutzorganisation "Arche 2000" hält die Peta-Kampagne für unangemessen. "Hier geht es doch nicht mehr um den Tierschutz, sondern um Publicity für die Organisation. " SKK.

Foto: Peta .

PETA: FÜR ETHISCHE BEHANDLUNG VON TIEREN // "Peta" steht für "People for the Ethical Treatment of Animals" (Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren). Die Organisation kämpft rund um den Globus für eine Welt, die ohne Pelz und Leder, ohne Fleisch, Milch und Honig auskommt. Bei der Kampagne "Holocaust auf Ihrem Teller" argumentiert Peta mit einem Zitat des jüdischen Literatur-Nobelpreisträgers Isaac B. Singer. Von ihm stammt der Satz "Für die Tiere sind alle Menschen Nazis; für sie ist jeden Tag Treblinka. ".


Berliner Kurier, 15. März 2004