Berlin - Das Leben des Uli Borowka (41) gleicht einer Achterbahnfahrt. Durchschnittlich talentiert, holte er Titel und Trophäen am Fließband, wurde Nationalspieler. Borowka war ganz oben. Dann: Prügeleien, Führerscheinentzug, Alkoholprobleme höchsten Grades. Borowka war unten. Jetzt, nach einer Entziehungskur, ist er auf dem Weg zurück aus der Hölle.
Uli Borowka, der nun in Berlin lebt, war ein Topstar der Bundesliga. Der Defensivspieler (388 Bundesliga-Spiele/18 Tore) wurde zweimal deutscher Meister, gewann auch den DFB-Pokal zweimal, holte zudem den Meistertitel in Polen mit Lodz und mit Werder Bremen den Europapokal. In der A-Nationalelf spielte er sechsmal. "Vielleicht hätte ich ein paar Länderspiele mehr gemacht, aber ich hatte mit Berti Vogts einen Disput. Ich war immer geradeaus - daher war mit 26 Jahren meine Nationalelfkarriere beendet", sprudelt es aus Borowka nur so heraus.
Ein Problem ärgerte ihn zuletzt: "Ich will wieder Fußball spielen." Dann ein Schmunzeln. "Aber nicht als Profi, nur so ab und zu in Prominententeams." Daher war er in Pforzheim, ließ in der Arcus Sportklinik sein "Knie wieder absolut in Ordnung bringen". Wie kam der einstige Topstar in die Goldstadt? "Ich bin Spielerberater und Talentscout. Dabei kooperiere ich mit der Agentur vom Pforzheimer Ronny Zeller. Der empfahl mir Dr. Ellermann." Ellermann: "Wir haben Meniskus und Knorpel geglättet. Es sieht gut aus."
Ansonsten ist Borowka körperlich fit: "Seit über drei Jahren bin ich trocken, schon über 1000 Tage. Ich trinke keinen Schluck Alkohol. Keine Kirschtorte, keine gefüllten Pralinen - nichts, auch keine Weißweinsoße zu dem von mir so geliebten Fisch." Offen, frei, ohne etwas zu beschönigen, spricht er über seine Chaoszeit. Inzwischen mit berechtigtem Stolz, sich von der Sucht befreit zu haben: "Ich war ab März 2000 in Bad Fredeburg in der Klinik. Vier Monate Entziehungskur - das war hammerhart. Aber es half."
Der Alkohol hatte ihn zu schlimmen Tricks getrieben. "Als wir ein Haus für die Familie bauten, sagte ich zu meiner Frau: Du, wir bauen da einen Kühlraum dran. Das ist gut für Obst und Gemüse. Als es fertig war, habe ich mich bei Hitze reingesetzt und einen Kasten Weizenbier getrunken." Die Ehe zerbrach. Volltrunken hatte er sogar seine Frau attackiert. Jetzt pflegt Borowka wieder Kontakte zu Sohn Tomek (12) und Tochter Irina (14).
Wasser mit den Rockys
Er ist aber nun keine Mumie, zieht in seiner neuen Heimat Berlin immer wieder mal gerne um die Häuser. Am liebsten mit seinen besten Kumpels, den Box-Brüdern Graciano und Ralf Rocchigiani. "Da trinke ich die ganze Nacht über Wasser - kein Problem", sagt er lapidar.
Borowka hätte viele Geschichten zu erzählen. Über sich und andere im Profifußball. Doch er schweigt. Trotz einer lukrativen Offerte. "Ein Verlag bot mir
125 000 Euro, damit ich ein Buch schreibe. Wenn ich auspacke, würden etliche schlecht wegkommen." Er könnte über Wohnungen erzählen, die verheiratete Teamkollegen für die heimliche Freundin mieteten, über Exzesse vielfältiger Art ... "Aber das ist nicht mein Ding. Ich sagte dem Verlag: Zwei Millionen und eine neue Identität - dann können wir reden", erzählt Borowka scherzhaft.
Er könnte es sich vorstellen, ins Trainergeschäft einzusteigen. "In Berlin habe ich die Oberligisten Türkiyem und BAK trainiert. Ich hatte ja mit Jupp Heynckes, Franz Beckenbauer und Otto Rehhagel sehr gute Lehrmeister."
Peter Putzing
Promi-Kicks mitspielen zu können. Foto: Putzing
gegen Essen) den Pokalsieg feiern.
Fotos: Wende/N.N.