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Wahlkampf-Auftakt: Unions-Politiker mussten vor Eiern und Flaschen fliehen

Bustorf, Hans-Christian

BERLIN - Mit einem Aktionstag und viel Partei-Prominenz wollte die Berliner CDU gestern Abend auf dem Alexanderplatz in den Wahlkampf starten. Doch Chaoten sprengten den Auftritt: Frank Steffel, Angela Merkel, Edmund Stoiber mussten vor Eiern und Flaschen flüchten.

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Alles hatte so nett angefangen: CDU-Chefin Angela Merkel, CDU-Fraktionschef Friedrich Merz und der bayerische Ministerpräsident Stoiber - alle waren zum Wittenbergplatz gekommen, um den Berliner Spitzenkandidaten Frank Steffel zu unterstützen.

300 meist ältere Passanten applaudieren freudig, nur ein paar Mitglieder der Jusos buhen gedämpft. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei, der Polit-Tross fährt weiter zum Potsdamer Platz. Auch dort alles friedlich, freundlich.

In der Zwischenzeit wird auf dem Alexanderplatz bereits eine kleine Bühne aufgebaut. Neugierige bleiben stehen - und schon gibt es den ersten Streit zwischen CDU-Anhängern und CDU-Gegnern: "Pfui CDU!" - "Baut euch doch die Mauer wieder auf!"

Als die Unions-Prominenz anrollt, brodelt es schon: Pfiffe, ein Jogurtbecher (Pfirsich, noch halbvoll) fliegt über den Platz. Die ersten Chaoten und Punks bekommen mit, wer sich da versammelt, und fangen an zu gröhlen.

Auftritt Edmund Stoiber: "Wir lassen uns hier nicht mehr vertreiben!" - die ersten Eier fliegen, die CDU-Sonnenschirme werden als Schutzschilde eingesetzt. Auftritt Friedrich Merz: "Das schreiende Gesindel soll erst mal lernen zu arbeite ..." - dann ist der Lautsprecher tot: Chaoten haben das Stromaggregat abgedreht.

Jetzt stürmen Punks nach vorne. Ordner werfen sich ihnen entgegen. Die nächsten Eier fliegen, volle Wasserflaschen folgen ihnen.

Ein Sicherheitsbeamter wirft sich auf Steffel, reißt ihn nieder, um ihn zu schützen. Steffels Lächeln ist wie weggeblasen - er wurde von dem Angriff völlig überrascht.

Bereitschafts-Polizei rückt an, schützt die CDU-Größen, drängt zum schnellen Rückzug. Mit quietschenden Reifen fährt ein VW-Bus vor, Stoiber und Steffel werden hineingedrängt, der Bus rast davon. Die anderen CDU-Politiker werden in einem Kordon aus Sicherheitsbeamten eilig zu ihren Autos gebracht.

"Wir hätten nicht weichen sollen, das war ein Fehler", schimpft Merz auf dem Weg zum schützenden Auto. Die Berliner CDU warf der Innenverwaltung inzwischen "schwerwiegendes Versagen" vor, die Polizei sei nicht rechtzeitig vor Ort gewesen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) müsse die Vorfälle untersuchen. Der Wahlkampf hat begonnen.

Hans-Christian Bustorf


Berliner Kurier, 03. Juli 2001