Leichtathletik
HALLE/SAALE - Irgendwann hat Waldemar Cierpinski mal ausgerechnet, wie viele Kilometer er in seinem Läuferleben gerannt ist. "Es müssen etwa 230 000 gewesen sein. Das schaffte kein Trabi, der war schon nach 100 000 Kilometern am Ende", sagt der Unvergleichliche aus Halle an der Saale schmunzelnd über sich und eine andere Legende aus DDR-Zeiten.
Morgen wird der Mann, der mit 19 schon international für die DDR startete, mit 24 ausgemustert wurde und dann zweimal Olympiasieger wurde, 50 Jahre alt: "Ich laufe regelmäßig, zum Spaß auch noch Marathon. Ab und zu zwickt die Achillessehne. Aber sonst tut mir nichts weh", sagt der gebürtige Nienburger.
Mit Cierpinski, der elf seiner 28 Marathonläufe zwischen 1974 und 1985 als Sieger beendete, erlangte auch der Spruch des bekannten DDR-Sportreporters Heinz-Florian Oertel Berühmtheit. Als Cierpinski vier Jahre nach seinem ersten Olympiasieg 1976 in Montreal bei den Boykottspielen in Moskau seine Verfolger erneut abgeschüttelt hatte, fiel dem redegewandten Profi nichts anderes ein als dies: "Liebe Zuschauer daheim, liebe Väter zu Hause, haben Sie Mut! Nennen Sie ihre heute geborenen Söhne Waldemar!"
In Moskau erreichte Cierpinski, was zuvor nur dem Äthiopier Bikila Abebe mit seinen Olympiasiegen 1960 und 1964 geschafft hatte. "Doch noch schöner war der Sieg in Montreal. Das Erlebnis, erstmals diese Goldmedaille zu gewinnen, war nachhaltiger. Ich erinnere mich an den Rausch, in den ich mich hineinsteigerte, wie ich in Erwartung des Sieges mein Leben mit allen wichtigen Stationen vor mir sah, und was für eine unglaubliche Kraft ich damals entfaltete. " gh