Textarchiv

BERLIN (BLN)

Eine neue Protest-Partei will in den Bundestag!

BERLIN - Zwei Verlierer schließen sich zusammen, um auch mal zu gewinnen: Die Ex-FDP-Politiker Manfred Brunner und Heiner Kappel haben gestern die rechts-nationale Protestpartei "Bund freier Bürger - Offensive für Deutschland" gegründet.

>

Im Forum-Hotel hatten sich 150 Delegierte vom "Bund freier Bürger" (BfB) und 200 Gäste von der "Offensive für Deutschland" zusammengefunden. "Wir wollen in den Bundestag", erklärte Brunner: "Wir rechnen mit viel Zulauf aus Brandenburg."

Der 50jährige Jurist aus München hatte '94 den "Bund freier Bürger" gegründet. Eine Partei rechts von der FDP, konservativ-national und gegen den Euro. Brunner hatte - als bayerischer FDP-Landesvorsitzender gescheitert und als Vize-EG-Kommissar gefeuert - die Liberalen verlassen. "Bundesweit haben wir 1040 Mitglieder", tröstet sich Brunner. 20 Ex-FDPler aus Berlin sind jetzt im Gefolge von Markus Roscher dazugekommen.

Der neue Generalsekretär des Bündnisses Kappel hatte vor zwei Jahren seine "Offensive" in der hessischen FDP ins Leben gerufen. Der 59jährige evangelische Ex-Pfarrer sitzt nach seinem Parteiausschluß als Parteiloser im hessischen Landtag. "Ab heute aber für unser Bündnis", versichert Kappel. Als Generalsekretär will er jetzt "arbeiten fürs Volk und jedem Landesverband erklären, was dienen heißt".

Gestern verwahrte sich Kappel gegen die rechte Ecke. Im September vergangenen Jahres hatte er noch auf einer BfB-Veranstaltung in Berlin gesagt: Es sei schlimm, wenn in der Nazi-Zeit Menschen zusammengetrieben und "möglicherweise ermordet worden sind".

spe


Berliner Kurier, 26. Januar 1998