Großes Staunen gestern am Brandenburger Tor. Im Schritt-Tempo fuhr ein Tieflader hindurch - mit einer ganz besonderen Last: "Der gefesselte Prometheus " war auf dem Weg zur Akademie der Künste am Hanseatenweg (Tiergarten). Das Standbild (3,80 x 1,95 Meter, Gewicht 11 Tonnen) aus leuchtend weißem Carrara-Marmor hat der berühmte Bildhauer Reinhold Begas (1831- 1911 ) geschaffen.Von ihm stammt auch der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus. "Der gefesselte Prometheus" wird nun ab 8. Juni in einer Ausstellung zum 300. Jubiläum der Akademie der Künste erstmals öffentlich zu sehen sein. Denn das letzte Hauptwerk von Begas war 52 Jahre lang im alten Nebengebäude des Hotel Adlon am Pariser Platz eingemauert. Im Juli des vergangenen Jahres wurde Prometheus dann endlich befreit und in die Werkstatt von Steinrestaurator Carlo Wloch (47) nach Nordend gebracht (KURIER berichtete). "Die Reinigungsarbeiten an der Riesenfigur waren schon eine ziemliche Kleinarbeit", erzählt der Meister. "Mit Instrumenten, die sonst zum Entfernen von Zahnstein benutzt werden, habe ich millimeterweise den Dreck von mehr als 50 Jahren entfernt." Noch eine Schönheitsoperation steht dem Prometheus bevor. Sein "bestes Stück am Mann" war abgebrochen. GIücklicherweise wurde es bei der Bergung im vergangenen Jahr im Bauschutt gefunden. Bis zur Akademieausstellung wird es dank des handwerklichen Geschicks von Meister Carlo Wloch den Prometheus wieder zieren . Kroe.